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Aachen: Jeremy Menuhin als Solist in der Amati-Konzertreihe

Aachen : Jeremy Menuhin als Solist in der Amati-Konzertreihe

Eine Reihe von drei Konzerten, präsentiert von der Aachener Zeitung, gestaltet das Amatri Ensemble unter der Leitung von Gil Sharon im Ballsaal des Alten Kurhauses Aachen.

Berühmter Gast zum Auftakt an Montag, 10. Novemberr, 20 Uhr, ist der Pianist Jeremy Menuhin, Sohn eines berühmten Vaters - des Geigen-Virtuosen und Dirigenten Yehudi Menuhin. Wir sprachen mit Jeremy Menuhin.

Sie haben sich in Maastricht kennen und schätzen gelernt: Der Pianist Jeremy Menuhin und die drei Mitglieder des Amati Streich Trios. „Ich komme gern nach Aachen, weil ich die Kollegen schätze und mich auf eine qualitätvolle Arbeit verlassen kann”, sagt Jeremy Menuhin im Gespräch mit unserer Zeitung.

In San Francisco kam wurde er geboren, lebte in der Schweiz und in Frankreich, doch im Moment fühlt er sich am wohlsten in London. Schon als sechsjähriger Junge hat er komponiert.

„Lange Zeit wollte ich unbedingt Komponist werden, das Dasein eines Instrumentalisten schien mir überhaupt nicht reizvoll”, erinnert er sich. „Auch heute bezeichne ich mich nicht unbedingt als Pianist, ich sage immer gern, ich bin Musiker.”

Im Laufe seines Studiums wurde ihm mehr und mehr klar, dass man mit dem Komponieren nur mühsam weiter kommt. Das Klavier als Studienbegleiter war ihm vertraut. „So langsam stellte ich fest, dass es für mich gut ist.”

An seinen ersten Auftritt erinnert er sich noch - mit Mozarts Klavierkonzert C-Dur. „Aber ich war nie ein Wunderkind.”

Mozart wird auch in Aachen im Mittelpunkt stehen: Menuhin spielt die Sonate D-Dur KV 576 und wirkt mit im Klavierquartett Es-Dur KV 493. Als weiteres Werk steht das das Divertimento für Streich-Trio Es-Dur KV 563 auf dem Programm. „Ein wunderbares und großes Werk”, freut sich Menuhin.

Er ist übrigens nicht ausschließlich als Solist auf den Bühnen der Welt unterwegs, er beschäftigt sich inzwischen zunehmend mit dem Nachwuchs, gibt Meisterklassen, zum Beispiel an der Hans-Eisler-Hochschule Berlin, ab und zu auch Einzelunterricht.

Was er weitergibt, ist eine kostbare Erkenntnis: „Nicht das Instrument, das Beherrschen einer makellosen Technik ist entscheidend, es ist die Bedeutung eines Werkes, das Gespür für die Komposition. Das Instrument ist lediglich ein Medium.”

Den Gehalt eines Musikstückes gilt es zu erforschen, ihn will er so übersetzen, dass der Zuhörer versteht, was ihm Musik erzählen kann. „Bei einem Musiker, der das nicht begreift bleibt die Interpretation kalt, so perfekt sie auch sein mag.”

Was er weitergibt ist nicht zuletzt ein Stück Tradition, vom Vater Yehudi Menuhin ererbt. „Sie habe ich in mir, sie lenkt mich zur inneren Bedeutung.”

Und was ihn stets überrascht: „Es gibt kein einziges Werk, das mit einem anderen deckungsgleich ist, so viel ein Komponist wie etwa Mozart auch geschrieben hat. Da ist immer ein anderer Charakter zu spüren.”

Mit seinem Vater ist Jeremy Menuhin häufig aufgetreten. „Die Musik war eine Brücke zueinander, sie hat erleichtert, was außerhalb manchmal schwierig war”, meint der Pianist, der zugibt: „Ich bin jemand, der nicht unbedingt alle Menschen gleich umarmt.”

Neben der Klassik ist der Jazz eine „Musikwelt”, die ihn fasziniert, die er mag. „Rap, Pop und all diese anderen Dinge sind nichts für mich, sie zeigen eher, was in unserer Gesellschaft los ist...”

Seine nächsten Termine? Ein paar Konzerte in Baden-Baden und ein großes Projekt, das noch im Planungsstadium ist. „Ich würde gern zusammen mit dem Londoner Symphony Orchestra alle Klavierkonzerte von Mozart einspielen.”