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Aachen: Jazz-Star an der Trompete: Till Brönner

Aachen : Jazz-Star an der Trompete: Till Brönner

„Blue Eyed Soul”, blauäugigen Soul, hat das deutsche Aushängeschild für zeitgemäße Trompeten-Klänge schlechthin, Till Brönner, sein neues Album genannt.

Unter diesem Motto wird er auch zusammen mit seiner Band am 21. Oktober, 20 Uhr, im Jacobshof Aachen gastieren, und es macht durchaus Sinn, den neuen Kompositionen und Interpretationen Brönners mit einer gewissen „Blauäugigkeit” zu begegnen.

Erlaubt ist, was gefällt. Mit diesem Motto polarisierte der 30jährige gebürtige Viersener Brönner über sechs Alben hinweg die deutsche Jazzszene. Für die einen wird er weiterhin derjenige bleiben, der den goldenen Mittelweg zwischen Moderne und Tradition gefunden hat.

Für die anderen wird er die deutsche Verkörperung des Smooth-Jazz mit Mainstream-Ambitionen bleiben. So kommt es zum Glück nicht selten vor, dass man in der CD-Sammlung eines Popfans eine Platte von Till Brönner findet.

„Der Jazz setzt sich heutzutage, im Gegensatz zu früher, nicht mehr mit dem auseinander, was um ihn herum passiert. Jazz ist in seiner Blütezeit die Musik gewesen, die Zeitgeschehen so direkt wiedergespiegelt hat wie nichts anderes, weshalb sie auch so revolutionär war.

Als dann der Rock ânâ Roll kam und der Erfolg des Jazz ausblieb, marginalisierte er sich quasi selbst. Als man aufhörte, wirklich für das Publikum Musik zu machen, wurde der Jazz kopflastig. Und er gilt gerade bei Leuten, die keine musikalische Ausbildung genossen haben, immer noch als leidenschaftslos”, erzählt Till Brönner.

Auch Brönner ärgerte sich in der Vergangenheit nicht selten über Kommentare, die seinen Improvisationen den Charme von „Katzenmusik” zusprachen, nur um später feststellen zu müssen, dass es sich dabei um ehrliche Gefühlsregungen handelte.

„Musik ist ja nicht nur etwas Schönes, sondern sie kann die Nerven der Zuhörer auch ungemein strapazieren. Nichts war schlimmer als âFusion, in der Musik ausschließlich für Musiker gemacht wurde. Meine Musik soll das Gefühlszentrum der Zuhörer erreichen, ohne die Voraussetzung, dass man ein paar Semester Musiktheorie studiert haben muss.”

Bei „Blue Eyed Soul” ist die musikalische Sozialisation noch stärker in der modernen afro-amerikanischen Musik verwurzelt. Die rhythmischen Grundlagen des zeitgemäßen Soul und R & B, bilden das Fundament für den „Soundtrack zum Seelenleben”.

Das wird von Brönner mit Melodiebögen gefüttert, die gleichzeitig sinnlich und sexy sind. Subtile Harmonien erzeugen verlockende Stimmungen. Mögen ihm die Puristen jener Stilistiken, denen sich Brönner bedient, Nivellierung vorwerfen.

Brönner kokettiert nicht mit Stilistiken, sondern bedient sich ihrer mit Respekt vor ihrem Ursprung. Dafür bekam er immerhin schon so etwas wie einen Ritterschlag.

Brönner: „Blue Eyed Soul ist ein Begriff, den Schwarze in Amerika gebrauchen, wenn weiße Musiker Soul spielen. Auch wenn dieser Begriff zunächst ein wenig respektlos erscheinen mag, zeugt er doch davon, dass weiße Musiker drüben anerkannt werden. Und das empfinde ich als großes Kompliment.”