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Würselen: Jan Josef Liefers auch auf der Bühne überzeugend

Würselen : Jan Josef Liefers auch auf der Bühne überzeugend

Wenn Schauspieler zum Gesangsmikro greifen, ist Vorsicht geboten. Denn nicht selten ist der Selbstverwirklichungsdrang der Akteure weit größer als das musikalische Talent. Anders liegt der Fall bei Jan Josef Liefers.

Der lässt sein Publikum beim Auftritt auf Burg Wilhelmstein über weite Strecken glatt vergessen, dass die Rockbühne nur seine zweite Heimat ist.

Das Outfit stimmt schon mal, als der schlaksige Liefers die Bühne betritt, auf der seine fünfköpfige Begleitband „Oblivion” bereits losgelegt hat. Der Sänger trägt ein verwaschenes T-Shirt unterm Nadelstreifensakko, dazu enge Jeans. Auch der abgewetzte schwarze Hut auf dem Kopf mit Dreitagebart signalisiert den Rockstar. Doch die unter dem Titel „Soundtrack meiner Kindheit” zusammengefasste Songauswahl wirft Fragen auf: Kann der 1964 in Dresden Geborene mit Liedern von DDR-Bands wie den Puhdys, Lift und Silly punkten? Oder verwässert das Ganze zur viel zu oft aufgewärmten Ostalgie-Suppe?

Es wird kein dünnes Gemisch. Dank Liefers, der die Dinge trennt. Auf der einen Seite steht die Musik, die seine Band kraftvoll intoniert und dabei die Gitarren in den leicht modernisierten Arrangements in den Vordergrund rückt. Ein regelrechtes Gewitter gibt es gleich zu Beginn mit „Türen öffnen sich zur Stadt” der Puhdys, das ordentlich lärmt. Doch Liefers´ Stimme ist kräftig genug, um mitzuhalten. Dass der TV-Charmeur es auch sanft kann, belegt er kurz darauf bei „Mein Herz soll ein Wasser sein” von Lift.

Auf der anderen Seite plaudert er an diesem Abend aus seiner Jugendzeit. In einer DDR, die er nicht verklärt, sondern in zahlreichen Film- und Toneinspielungen der Lächerlichkeit preisgibt. Musik- und Wortbeiträge halten sich während des zweistündigen Auftritts die Waage. Und ihren Charme haben beide. So kann neben dem Sänger Liefers auch der Schauspieler punkten.

Und die Musik spricht ohnehin für sich. Wütend ist sie. Fordernd und wehmütig. Anrührend, gleich welchen Ursprungs. Am Ende bringt Liefers selbst es auf den Punkt: „Wenn es um Musik geht, ist es völlig egal, wo sie herkommt. Hauptsache, sie landet dort, wo sie hingehört!”