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Bonn: Ist eine Plastiktüte erhaltenswert? - Restauratoren suchen Antwort

Bonn : Ist eine Plastiktüte erhaltenswert? - Restauratoren suchen Antwort

Aufgabe von Restauratoren ist es, Kunstwerke, Kulturgüter und Denkmäler bestmöglich für die Nachwelt zu erhalten. Manchmal gehören dazu auch so banale Alltagsdinge wie Plastiktüten aus dem Supermarkt. Sie sind stofflich vergänglich.

Sollen sie aber dennoch konserviert werden, wenn sie Teil eines Kunstwerks ist? Darüber und über ähnliche Themen wird auf dem diesjährigen Restauratorentag diskutiert, der am Mittwoch in Bonn begann. Die viertägige Tagung des Verbands der Restauratoren (VDR) steht unter dem Titel: „Die Bedeutung der Dinge”.

Mit dieser schon philosophisch klingenden Thematik wollen die Restauratoren bewusst über den Tellerrand einer engen Fachkompetenz und über bloße Methoden oder Rezepturen hinausschauen, wie Verbandspräsident Kornelius Götz erläuterte.

Die Bedeutung eines Objekts oder Werks sei auf den ersten Blick oft nicht klar. Erst der Einzelne und dann auch die Gesellschaft entscheide darüber. „Alle kulturellen Dinge werden erst in unseren Köpfen zum Kulturgut, keinesfalls aus sich selbst heraus.” Deshalb gehe die Arbeit der Restauratoren auch über eine rein materielle Erhaltung hinaus.

Im Falle der Plastiktüten geht es um das „Penner-Fahrrad” des Künstlers Andreas Slominski, an dem diese Tüten - zum Teil schon geplatzt und eingerissen - hängen. Das Kunstwerk wurde vom Bildermuseum Leipzig erworben und soll nun konserviert werden.

Dies wirft nach Angaben der Restauratoren schon die grundsätzliche Frage auf, ob dies überhaupt sinnvoll sei, da die vergängliche Tüte ja zum Kunstwerk gehöre. Wird diese Frage positiv entschieden, folgen Überlegungen, wie das Stück am besten erhalten werden kann - auch da können sich die Geister scheiden und auch eine Expertentagung zum Schwitzen bringen.

Rund 10.000 Restauratoren gibt es in Deutschland, berichtete Götz. Davon seien etwa die Hälfte Autodidakten. Erst seit 20 Jahren gebe es eine akademische Ausbildung. Nachdem im öffentlichen Sektor - in Museen und bei Denkmalbehörden - viele Stellen aus Sparmaßnahmen gestrichen worden seien, gebe es inzwischen mehr Freiberufler als Angestellte.