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In Belgien gibts Böller schon unter 18

In Belgien gibts Böller schon unter 18

Euregio (an-o) - "Polizei, können wir einen Blick in Ihren Pkw werfen?": Die Kontrolle von Bürgern, die vom Einkauf aus dem Nachbarland zurückkehren, gehört vor der Jahreswende wieder zum Alltag an der Grenze. Gesucht werden nicht - wie einst - Kaffee und Zigaretten, sondern Böller.

"Feuerwerk, Raketen und Knaller" wirbt bereits seit Wochen ein Schild vor einem kleinen Geschäft an der Aachener Straße in Eupen-Kettenis. Im Gegensatz zu den niederländischen und deutschen Kollegen bietet der belgische Einzelhandel während des ganzen Jahres Zündstoff für die Silvesterfeier zum Verkauf.

In Deutschland dürfen die so genannten Feuerwerkskörper der Klasse II nur vom 28. bis 31. Dezember und nur von Kunden über 18 Jahren gekauft werden. In den Niederlanden nehmen die Geschäfte Bestellungen entgegen, die Abgabe erfolgt ebenfalls nur an den Tagen direkt vor dem Jahreswechsel. Auch hier muss der Kunde volljährig sein. "Der Vorverkauf läuft nicht so gut", so Marc Solvino, Betriebsleiter bei "Scapino" in Vaals. Seit der Explosionskatastrophe in Enschede im Mai 2000 seien die Vorschriften für die Lagerung von pyrotechnischem Material jährlich strenger geworden, so der 31-Jährige. "2003/04 werden wir vielleicht kein Feuerwerk verkaufen, weil wir die Sicherheitsbestimmungen nicht mehr erfüllen können", so Solvino.

Zwei Kilogramm im Schrank

Nach den belgischen Bestimmungen dürfen in Verkaufsräumen höchstens zwei Kilogramm pyrotechnisches Material in einem separaten Schrank gelagert werden. Voraussetzung ist eine Genehmigung der Kommune und der föderalen Sicherheitsbehörde. "Größere Mengen müssen in einem abgeschlossenen feuerfesten Raum untergebracht werden", erklärt die Geschäftsfrau Suzanne Leffin (34). Wer diese Bedingung nicht erfüllt, muss regelmäßig im Großhandel für Nachschub sorgen.

In Belgien gibt es Böller und Raketen für Kunden ab 16 Jahren. "Männer aller Altersstufen und Jugendliche, die im Nachbarland aufgrund ihres Alters kein Feuerwerk kaufen dürfen", gehören deshalb bei Leffin in der Eupener Innenstadt zum Kundenkreis.

"Einen 17-jährigen Deutschen oder Niederländer weise ich beim Einkauf darauf hin, dass er sich in seinem Heimatland strafbar macht", so Suzanne Leffin.

Das Gesetz schreibt vor, dass jeder Kunde mit Name, Ausweisnummer und der abgegebenen Menge Feuerwerk in ein Register eingetragen wird. Die Polizei nimmt in den Wochen vor dem 31. Dezember regelmäßig Einblick in dieses Verzeichnis und kontrolliert, sobald auffällt, dass sich jemand mit größeren Mengen eindeckt.

"Auf der Autobahn ist uns ein Lieferwagen ins Netz gegangen, der tonnenweise Feuerwerk gelagert hatte", berichtet Klaus Willems, Gefahrgutexperte der föderalen belgischen Polizei. Fahrzeug und Inhalt werden in einem solchen Fall beschlagnahmt, zudem droht eine Geldbuße bis zu 2500 Euro.

In den Niederlanden entscheidet die Justiz je nach Menge und Art des gefundenen Materials über die Höhe der Geldstrafe. "Bei Minderjährigen werden alternative Strafmaßnahmen verhängt. Bei Erwachsenen können es Bußgelder von mehreren hundert Euro sein", so René Keydener, Sprecher der Polizei im Bezirk Süd-Limburg.