Kommentar zur Oscarverleihung: Immerhin ein gutes Zeichen

Kommentar zur Oscarverleihung : Immerhin ein gutes Zeichen

Es ist erst ein paar Wochen her, da nannte Bong Joon Ho die Oscars eine „recht lokale Veranstaltung“, weil nicht englischsprachige Filme dort keine große Rolle spielten. Nun hat der koreanische Regisseur selbst dafür gesorgt, dass man das so nicht mehr sagen kann.

Sein Film „Parasite“ ist der große Gewinner einer Oscarnacht 2020, die an Überraschungen ansonsten arm war. „Parasite“ spielt souverän mit den Genres, ist Komödie, Horror, Drama, Thriller und satirische Gesellschaftskritik zugleich – und bisweilen sogar poetisch. Ein Meisterwerk, das sich völlig zu Recht in einem starken Jahrgang durchsetzen konnte.

Damit hat die Academy zum ersten Mal in ihrer 92-jährigen Geschichte einen nicht englischsprachigen Film zum besten Werk erklärt. Drei weitere Oscars, unter anderem den für die beste Regie, gab es obendrauf. Ein Meilenstein, der sich bereits zart angekündigt hatte. Vor Bong waren acht der letzten zehn Regie-Gewinner keine Amerikaner.

Das ist noch längst keine Zeitenwende. Unterm Strich bleibt es dabei: Die Oscars sind zu weiß und zu männlich; in den wichtigsten Kategorien mangelt es immer noch und völlig unnötigerweise an Diversität. Und doch ist der Erfolg von „Parasite“ ein gutes Zeichen: dafür, dass sich die Academy dem bärenstarken Weltkino nicht nur aus Südkorea öffnet und kulturelle Vielstimmigkeit wertschätzt. Nur so bleiben die Oscars relevant und mehr als eine „lokale Veranstaltung“.