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Aachen: IMC-Unesco-Musikpreis: „Auszeichnung von unschätzbarem Wert”

Aachen : IMC-Unesco-Musikpreis: „Auszeichnung von unschätzbarem Wert”

Der portugiesischen Pianistin Maria Joao Pires und dem Osmanischen Zentrum für traditionelle Musik ist am Samstag im Alten Kurhaus in Aachen der Internationale IMC-Unesco-Musikpreis 2002 verliehen worden.

Diese bedeutende Auszeichnung ehrt seit 1975 Persönlichkeiten und Institutionen, deren Aktivitäten zu einer Bereicherung und Weiterentwicklung der Musik und gleichzeitig zu Frieden und Verständigung zwischen den Völkern beigetragen haben.

Die portugiesische Pianistin Maria Joao Pires und Staatssekretär Scheich Abdullah bin Shwain al Hosni vom Ministerium für Information des Sultanats Oman, der stellvertretend für das Osmanische Zentrum für Traditionelle Musik den Preis entgegennahm, waren sichtlich beeindruckt von der Ehrung durch Oberbürgermeister Jürgen Linden, Kifah Fakhouri, dem Präsidenten des Internationalen Musikrats (IMC) und Laudator, und Milagros del Corral, Vertreterin des Generaldirektors der Unesco.

Die Preisträger reihten sich in die Liste bekannter Vorgänger wie Yehudi Menuhin, Herbert von Karajan oder Leonard Bernstein ein.

„Diese Auszeichnung durch eine Organisation, die sich seit ihrer Gründung der Entwicklung, Erziehung sowie des Erhalts des Weltkulturerbes verschrieben hat, ist für mich von unschätzbarem Wert”, bedankt sich Pires, die bereits mit drei Jahren das Klavierspielen erlernte und schon im Alter von neun Jahren die höchste portugiesische Auszeichnung für junge Künstler erhielt.

Mittlerweile ist sie über die Grenzen Portugals hinaus bekannt, nicht nur als Ausnahme-Musikerin, sondern auch als eine bedeutende öffentliche Person, die sich konsequent für Menschenrechte, insbesondere für die Rechte der Frauen und Kinder, einsetzt.

Auch kritische Töne in der Dankesrede

So blieben auch kritische Töne in ihrer Dankesrede nicht aus. „Die Idole unserer Zeit harmonisieren schlecht mit den Zweifeln und Erfahrungen, die jeder Einzelne auf dem langen Weg seiner Entwicklung hat.” Pires sprach von amerikanischem Zynismus, demzufolge die edelsten Parolen gleich wieder im nationalen Interesse verloren gingen.

„Die ärmsten Länder, die aus materieller Not anfällig und verwundbar sind, können der Versuchung nicht widerstehen - Tag für Tag erleben wir, wie unter dem Deckmantel der Erziehung sich nichts anderes als die erschreckende Wirksamkeit der Lüge verbirgt.”

Auch in Hinblick auf ihre eigene Einrichtung, ein Kulturzentrum für Kinder in Belgais, empfände sie Ungerechtigkeit, denn die Lage sei schwierig. Sie müsse um das Überleben des Zentrums kämpfen, „zu einer Zeit, da aus absurden Wettbewerbsgründen zwischen den Ländern so viel Geld in Prestigeobjekte fließt und viele Mittel in ungeeignete oder ungenutzte Einrichtungen verschwinden”.

„Kultur und Werte der Menschheit sind bedroht”

Das Zentrum für traditionelle Musik von Oman besteht seit 1984 und dient der Sammlung und Dokumentation traditioneller Musik, Lieder und Volkstänze.

Die von Sultan Qabus bin Said, Sultan von Oman, ins Leben gerufene Institution habe schon immer großen Respekt vor den Leistungen der Unesco auf kulturellem Gebiet gehabt, so Scheich Abdullah bin Shwain al Hosni, und habe auch die Omaner angeleitet, kulturelles Erbe und Kultur zu bewahren.

Dies sei besonders derzeit wichtig, „in Zeiten wie diesen, in denen Kultur und Werte der Menschheit bedroht sind wie vielleicht nie zu vor”.

Musikalisch gestaltet wurde das Programm zu Ehren des Osmanischen Zentrums von Raed K. Shamson (Laute) und Kassin Mohammed (Hackbrett), sowie Maria Joao Pires, die bereits am Vorabend bei ihrem Preisträgerkonzert begeistert hatte.