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Düsseldorf: „Il trittico”: Wirbel kann bissigen Witz nicht ersetzen

Düsseldorf : „Il trittico”: Wirbel kann bissigen Witz nicht ersetzen

Jede westdeutsche Oper, die Giacomo Puccinis „Il trittico” - die drei Einakter „Der Mantel”, „Schwester Angelica” und „Gianni Schicchi” auf den Spielplan setzt, muss sich an der nur wenige Jahre zurückliegenden, Maßtab setzenden Kölner Inszenierung von Willy Decker messen lassen.

Dietrich Hilsdorf wagte mit seiner Neuinszenierung an der Rheinoper den Vergleich und schnitt nicht gerade glanzvoll ab.

Er machte zwar keine Experimente, wie sie diese Stücke wohl auch kaum vertragen, wahrte jeweils das originale Ambiente, wobei ihm Johannes Leiackers Bühnenbild mit den in der Bühnentiefe schräg stoßenden hohen Wänden, die, im einzelnen abgewandelt, einheitliches Grundmuster blieben, praktikable, aber nicht eben Atmosphäre schaffende Räume hingestellt hatte.

Aber bereits das Negieren der originalen Reihenfolge war nicht einsichtig. „Gianni Schicchi” drehte Hilsdorf mächtig komödiantisch auf. An burleskem Wirbel mangelte es nicht, wohl aber an ironischem, hinterhältigem Witz.

So freute das Auge sich in erster Linie an der historischen Kostümpracht. „Schwester Angelica”, ohnehin ein nicht ungefährliches Stück, ging am Ende vollends daneben.

Das Hantieren mit einem Fötus war so peinlich wie „der Gnade Heil” in Gestalt von herabregnendem Staub lächerlich.

Sinnvoll dagegen das eher gefängnisartige Klosterambiente. Szenisch am geschlossensten wirkte „Der Mantel” in seinem nackten Realismus, dem es an Handfestigkeit nicht mangelte.

Imponierend wie immer der Reichtum an großen, prachtvollen Stimmen, über den die Rheinoper verfügt. Alberto Rinaldi war der mächtig auftrumpfende Gianni Schicchi, ein temperamentvoller Komödiant.

Natalya Kovalova, als Lauretta eine Augenweile, sang ihr „0 mio babbino cara” eher volltönend-arios als schmeichlerisch. Und Sergej Khomov blieb seinem Hymnus an Florenz nichts an tenoralem Glanz schuldig.

Im Mittelpunkt von „Schester Angelica” stand Therese Waldner in der Titelrolle, ein gesanglich wie darstellerisch großartiges Rollenporträt, neben ihr die nicht minder vocal strömende Renbe Morloc als kalt-bigotte Fürstin.

Gordon Hawkins war ein herrlich sonorer, mächtiger Michele, Angelos Simos ein leidenschaftlicher Luigi. Den vielen anderen solistisch Mitwirkenden ein Gesamtlob, wie auch dem von Gerhard Michalski einstudierten Chor.

Chefdirigent John Fiore entlockte seinen offenbar hochmotivierten Düsseldorfer Sinfonikern ein hohes Maß an Klangsensibilität und stellenweise fast impressionistischer Farbigkeit, ohne den dramatischen Zug des Ganzen zu gefährden. Kräftiger Applaus des Publikums.