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Düsseldorf: Ich sehe was, was du nicht siehst

Düsseldorf : Ich sehe was, was du nicht siehst

Dalí? Hatten wir das nicht gerade erst in Düsseldorf? Knapp 225.000 Besucher waren 2002 in die große Surrealismus-Ausstellung in der Kunstsammlung NRW geströmt. Ein Bild Dalís hatte damals bundesweit die Werbetrommel gerührt.

Nun heißt es ab Samstag „Dalí und die Magier der Mehrdeutigkeit” im Düsseldorfer Museum Kunst Palast - schon wieder, möchte man sagen.

Aber der Titel leitet in die Irre: Diesmal geht es nicht vorrangig um die Surrealisten, sondern um das Spiel mit verschiedenen Ebenen der Wahrnehmung, das sich in dem Werk Dalís so beispielhaft findet.

Damit betritt das Museum Kunst Palast ein von der Kunstgeschichte bislang kaum erforschtes Terrain, und der Besucher hat seinen Spaß daran - auch der kleine Besucher ab sechs Jahren, für den es einen speziell erstellten Hörführer gibt.

Die Ausstellung lädt ein zu dem uralten Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst”. Immer wieder wird die Wahrnehmung auf die Probe gestellt: Schwäne verwandeln sich in Elefanten, ein Glas wird von der Seite gesehen zur Flasche, ein Männerprofil von Nahem zu einem Brief lesenden Mädchen, bunte Steine zu einem Frauenkörper, ein Fels zu einem Mann, irgendwo aus der Landschaft taucht eine Hexe auf - und alles wieder rückwärts.

„Das endlose Rätsel” - 1938 hat Dalí dieses Bild geschaffen, das mit seinem Titel und den sieben verschiedenen Bildebenen paradigmatisch das Leitthema der Schau liefert. Der katalanische Maler ist sich er einer der herausragenden Protagonisten der mehrdeutigen Kunst und in Düsseldorf mit 40 Arbeiten vertreten.

Aber über 350 Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und Objekten seit dem Mittelalter und auch aus anderen Kulturkreisen zeigen, dass sich das Phänomen der Vexierbilder und kuriosen Gegenstände durch viele Jahrhunderte und alle Kulturen verfolgen lässt.

So finden sich neben Arbeiten von Giuseppe Arcimboldo, Josse de Momper, Max Ernst, M.C. Escher, René Magritte, Sigmar Polke, Man Ray, Markus Raetz, André Thomkins auch unbekannte Werke aus China, Indien, Persien und Afrika. Sie zeigen unterschiedliche Spielarten der gleichen Vorgehensweise.

Diese Ausstellung ermahnt in Zeiten der Oberflächlichkeit und des Zappens zum zweiten Augen-Blick. Die Besucher sollten die „Warnung” im letzten Satz des Kataloges beherzigen: „Sehen Sie sich vor vor dem, was sie vor sich sehen.”