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Aachen: Hüften kreisen wie zu Elvis besten Zeiten

Aachen : Hüften kreisen wie zu Elvis besten Zeiten

Das Image des Teenie- Idols und Parade-Schwiegersohns muss Sasha Schmitz (32) aus Soest einigermaßen zuwider gewesen sein, möglicherweise auch nur seiner Plattenfirma (Wea).

Der besser als „Sasha” bekannte Pop-Barde betreibt seinen Identitätswechsel, der ihn nunmehr als in Kanada geborenen Rock n Roller Dick Brave ausweist, mit aller Konsequenz. Künstlerischer Befreiungsschlag? Lukratives Nebenprojekt? Oder einfach nur ein Marketing-Gag?

Dem Publikum ist es einerlei: Die CD („Dick this!”) führte wochenlang die deutschen Charts an, die Tournee findet ausschließlich vor ausverkauften Sälen statt.

Auch das B 9 in der Aachener Blondelstraße war mit 850 Zuschauern zwischen 12 und 60 Jahren vollkommen überfüllt, die zu spät Gekommenen mussten sich, was beträchtlichen Unmut auslöste, Dick Brave & The Backbeats vom Foyer aus ansehen.

Aber selbst das musste besser als nichts gewesen sein, da das Quintett furios aufspielte: „20 flight rock”, „Shes the most” und „Highschool hop” verursachten chaotische Zustände in den ersten Reihen, weiter hinten, vor der Theke, kippte gar die erste Besucherin um - wenn auch weniger vor Begeisterung als infolge akuten Sauerstoffmangels.

Dick ließ die Hüften kreisen wie weiland Eddie, Buddy und Elvis, Gitarrero Adriano Batolba trottete wie Little Richard im Duckwalk über die Bühne, und auch der Rest der Band war vor lauter Spielfreude kaum zu bremsen.

Der Auftritt geriet auf und abseits der Bühne zum Spektakel und war in jeder Hinsicht besser als der im Kölner „Limelight”, der vergangenen Montag auf DVD erschien. Die treibende Hillybilly-Adaption von Michael Jacksons „Black or white” sah Phil Hanson auf seinem Kontrabass tanzend, derweilen sich Dick wie von Sinnen auf Mike Scotts Piano wälzte.

Die Band war immer dann stark, wenn das Tempo hoch war. Eine Schmachtnummer hier, eine Ballade da sind, wer wüsste das besser als Sasha Schmitz, dennoch Teil des Geschäfts. „Teenager in love”, „Backbeat Boogie” und „Americano” folgten.

Das „Aphrodisiakum”, das eigentlich Asthmaspray war und des Sängers Husten lindern sollte, hätte Dick gar nicht in der Menge zu versprühen brauchen: Herzen und Rosen flogen ihm auch so zu. „Walk this way” und die letzten Zugaben „Give it away” und „Great balls of fire” bildeten nach 102 Minuten einen angemessen grandiosen Abschluss.