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Köln: Hollywood in geheimer Mission: Dreharbeiten in Köln

Köln : Hollywood in geheimer Mission: Dreharbeiten in Köln

Mit Blaulicht und quietschenden Reifen biegt die Polizeikolonne um die Ecke und kommt vor einer riesigen Menschentraube zum Stehen. Reporter und Schaulustige stürmen von allen Seiten auf einen der Wagen zu.

Die Kameramänner stehen auf ihren Transit-Bussen aus den 60er Jahren und lassen die 16 Millimeter-Kameras surren. „Cut” schallt es aus einem Megafon über den Platz. Bernhard Schlinks Bestseller „Der Vorleser” wird verfilmt. Es ist eine internationale Koproduktion mit Hollywoodstar Kate Winslet in der Hauptrolle. Am Sonntag stand eine große Außenszene mit über 200 Statisten auf dem Drehplan. Die Straßen rund um den Gereonshof in der Innenstadt wurden zum Sperrgebiet.

„Unsere Defensive steht”, sagt Koproduzent Henning Molfenter vom Studio Babelsberg und grinst. Dutzende Sicherheitsleute stellen sich jedem in den Weg, der dem Set zu nahe kommt. Regisseur Stephen Daldry („The Hours”, „Billy Elliot”) soll ungestört arbeiten können.

„Klar, die Hollywoodstars wollen ihre Ruhe”, murmelt ein Passant verständnisvoll. Dabei ist Kate Winslet gar nicht vor Ort, sie dreht erst ab Dienstag in den Hürther MMC-Studios.

Außer den Komparsen steht nur Nachwuchsschauspieler David Kross („Knallhart”) vor der Kamera. Er übernimmt die Rolle eines 15-jährigen Gymnasiasten, der im Nachkriegsdeutschland eine Affäre mit der 21 Jahre älteren Hanna (Kate Winslet) beginnt. Als Jurastudent begegnet er ihr dann Jahre später wieder, als sie bei einem Kriegsverbrecherprozess auf der Anklagebank sitzt.

Hier in Köln wird eine Ankunftsszene vor dem Gericht gedreht. Die Kulisse könnte nicht passender sein. Das mächtige Gebäude einer Versicherung wurde in den 50er Jahren gebaut. Selbst die rechteckigen Laternen mit dem Grünspanbefall, die auf dem Vorplatz stehen, scheinen noch aus dieser Zeit zu stammen. „Das Haus ist perfekt für unsere Zwecke, als wäre es gerade erst gebaut worden. Wir brauchten gar nicht mehr viel machen”, freut sich Molfenter.

Wer will, kann noch mehr Parallelen zwischen Film und Wirklichkeit finden. Der Architekt des Gebäudes, Arno Breker, ist wegen seines künstlerischen Schaffens im Dritten Reich bis heute umstritten. Von den Kölnern wurde der Bau wegen seines monumentalen Charakters schon bald als „kleine Reichskanzlei” verspottet. Auf eine Diskussion über Architektur und Filmhandlung möchte sich der Produzent aber nicht einlassen: „Bei der Entscheidung für den Drehort hat das keine Rolle gespielt”.

Währenddessen mummeln sich die Statisten in dicke blaue Decken ein. Nicht nur ein Hauch von Hollywood weht durch die Straßen Kölns, sondern auch ein ziemlich kalter Wind. Die Kostüme sind dünn und letzte Klappe fällt erst, wenn es dunkel wird. Im Film wird die Szene dann gerade mal eine Minute dauern.