Düren: Hoesch-Museum saniert: Spannender Kontrast von Alt und Neu

Düren: Hoesch-Museum saniert: Spannender Kontrast von Alt und Neu

Der Geruch von frischer Farbe liegt in der Luft; Staub bedeckt im Treppenhaus die Holzplatten, die den Terrazzoboden schützend verbergen; irgendwo im Haus wird gebohrt und gehämmert. Feinarbeit ist angesagt im Dürener Leopold-Hoesch-Museum - das Gröbste ist geschafft.

104 Jahre hat das Gebäude auf dem Buckel, beim Bombenhagel am 16. November 1944 wurde es beinahe genauso zerstört wie das gegenüberliegende Stadttheater. In vereinfachter Form wieder aufgebaut und notdürftig repariert, war das 1905 vom Kommerzienrat Leopold Hoesch gestiftete Museum bis 2007 eher ein Provisorium als ein Tempel der Kunst. Schnee von dazumal - mit seinem Erweiterungsbau ist knapp zwei Jahre nach dessen Grundsteinlegung mitten in Düren eine Perle der Architektur entstanden.

Morgen kann die Bevölkerung sich selbst bei einem „Tag der offenen Baustelle” einen Eindruck davon verschaffen. Wir sahen uns vorab schon einmal um, begleitet von Museumsdirektorin Dorothea Eimert und Hans Wabbel, dem Dürener Baudezernenten.

Anbeu von Architekt Kulka

„Eigentlich war eine Erweiterung schon von Anfang an in Betracht gezogen”, sagt Dorothea Eimert. Doch erst die großzügige Unterstützung durch die Günther-Peill-Stiftung, die 40 Prozent der Baukosten trägt, ebnete schließlich den langen, langen Weg zu einem Anbau. Der steht jetzt in einem kühnen Kontrast zu dem neobarocken Altbau mit seiner Tuff- und Sandsteinfassade.

Der renommierte Architekt Peter Kulka, von 1986 bis 1992 Professor an der RWTH Aachen, brachte das Kunststück fertig, Neu und Alt aufs Feinste zu versöhnen. Er entwarf einen fast fensterlosen, strengen Kubus, der mit seiner hellen Backsteinfassade in spannungsvollem Kontrast zu dem dekorationsreichen historischen „Original” steht und dennoch bestens dazu passt: Die Proportionen und Außenmaße von „Alt” und „Neu” sind gleich.

Das Treppenhaus im Altbau, das eher in ein Theater zu führen scheint, findet sich nun funktionalisiert und entschlackt. Die Wendeltreppen wurden entfernt.

Eine moderne Cafeteria wird auch in dieser Hinsicht das Gefühl vermitteln, dass man im Leopold-Hoesch-Museum in der Gegenwart angekommen ist. Die neuen Fenster sind nach den geschwungenen Originalen gestaltet. Zwei Lichthöfe bilden den Übergang zum Neubau, der den alten Mitteltrakt umschließt. Zwei übereinanderliegende Säle sind von atemberaubender Weite - hier spürt man hautnah, was die nichtssagende Zahl der gesamten 3800 Quadratmeter Fläche tatsächlich bedeutet. Durch den Erweiterungsbau wächst die Ausstellungsfläche von 659 auf 1698 Quadratmeter.

Der Clou des Ganzen: ein zu einer Seite hin komplett verglaster würfelförmiger Erker im Obergeschoss, der bis auf die Straße herauskragt - ein markantes, anthrazitfarbenes, metallisches Detail, das zum neuen Erkennungszeichen des Leopold-Hoesch-Museums werden könnte. Wabbel: „Wenn man lange angestrengt geguckt hat, kann hier der Blick in die Ferne oder über die Annakirche schweifen, und schon ist man wieder frisch für die Kunst.”

Ein ausgeklügeltes Lichtsystem sorgt dafür, dass der Besucher den Eindruck bekommt, die Werke unter Tageslicht zu betrachten, tatsächlich ist es Kunstlicht. Apropos Technik: Lüftung, Heizung, Kühlung - ein hochwertiges modulares System ermöglicht den flexiblen Betrieb, um eine optimale Behaglichkeit zu garantieren.

Neubau für 6,4 Millionen Euro

Die Haustechnik hat eine von den insgesamt 6,4 Millionen Euro, die der Neubau gekostet hat, verbraucht. Auch preislich gilt Kulkas Devise, die er von dem Aachener Baumeister Ludwig Mies van der Rohe gelernt hat: „Weniger ist mehr...” Die Sanierung des Altbaus hat 1,5 Millionen Euro gekostet. Dabei gab es durchaus Schreckmomente: als man feststellte, dass eine Decke, statisch gesehen, sich eigentlich nicht einmal selbst tragen konnte. Eine Bombe hatte im Krieg den Bau vom Dach bis zum Keller durchschlagen, die notdürftig repaierte Decke hat ohne Träger gehalten. Eimert: „Zum Glück ist all die Jahre nichts passiert...”

Während Museumsdirektorin und Baudezernent einträchtig das hochmoderne Depot im Keller begutachten, bricht oben Streit aus: über das sogenannte „Hochzeitszimmer”. Freitags dürfen Paare hier in angenehmer Umgebung die Ehe schließen. Wabbel: „Hier gehört keine private Feier rein!” Eimert: „Das ist eine gute Gelegenheit, Publikum zu gewinnen, das sonst nicht kommen würde.” Abwarten, wer sich durchsetzt...

Und was wird nun in den neuen Räumen zu sehen sein? Im Obergeschoss des Neubaus soll die Sammlung des Dürener Unternehmerpaars Carola und Günther Peill einziehen - internationale Kunst des 20. Jahrhunderts mit so erlesenen Namen wie George Braque, Corneille, Max Ernst, Wassilij Kandinski und wie sie alle heißen. Das Untergeschoss nimmt die Sammlung der Hubertus Schoeller Stiftung auf, sogenannte konkrete Kunst der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Klassische Moderne, Expressionisten und jüngere Kunst wird man im oberen Saal des Altbaus finden. Ein lohnendes Kunstziel auf halbem Weg nach Köln. Die Eröffnung ist für Ende November geplant.

Einen „Tag der offenen Baustelle” gibt es im Leopold-Hoesch-Museum am Freitag Führungen um 11, 12, 16 und 17 Uhr. Museumsdirektorin Dorothea Eimert und Baudezernent Hans Wabbel freuen sich auf neugierige Zaungäste. Anmeldung unter 02421/252242 oder im Internet unter dueren.de.