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Höllenheißer Himmel

Höllenheißer Himmel

Aachen (an-o) - "Einmal Urknall und zurück": Unter diesem Motto tagen seit gestern rund 500 Physiker aus der ganzen Welt in Aachen.

Eine Milliardstel Sekunde kann so lang sein. Und wahrscheinlich werden wir nie ganz ergründen, was in diesem Zeitraum bei der Entstehung des Weltalls passiert ist. So nah, immerhin, ist die Forschung aber dran am Urknall, mit dem alles vor etwa 13 Milliarden Jahren begonnen haben soll.

Dass damals ein mikroskopisch kleines Etwas (das "kosmische Ei") in einem unvorstellbaren Big Bang explodiert ist und alle Energie beziehungsweise Materie freigesetzt hat, aus der wir selbst und das ganze Universum bestehen: Das ist zwar auch nur eine Theorie. Aber seit sie 1948 zum ersten Mal formuliert und grundsätzlich in den 60er Jahren mit der Beobachtung der kosmischen Hintergrundstrahlung bestätigt wurde, sprechen alle weiteren Entdeckungen von kleinsten Teilchen, aus denen sich Materie aufbaut, für diese Vorstellung. Und fast alle Elementarteilchen, die aus dem Urknall hervorgegangen sind, kennt man inzwischen; es fehlt nur noch ein wichtiges. Nur kann man sich noch nicht alle ihre Eigenschaften und Wechselwirkungen erklären und somit auch nicht, was in jener Milliardstel Sekunde alles geschah.

Theoretisch müsste zum Beispiel aus dem großen Urfeuer gleich viel Materie wie Anti-Materie entstanden sein. Die Teilchen hätten sich dann allerdings gegenseitig zu reiner Energie vernichten müssen. Somit müsste es heute ganz viel Licht geben, aber kein Leben. Da das offensichtlich nicht der Fall ist, rätseln die Physiker weiter. Bis Donnerstag tun sie dies in Aachen auf der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Rund 500 Wissenschaftler diskutieren über die neuesten Experimente mit Anti-Wasserstoff, über "wankelmütige Neutrinos", über Dunkle Materie und kosmische Strahlung. "Eine Leistungsschau der modernen Physik", sagt Tagungsleiter, RWTH-Professor Günter Flügge. Aber nicht nur für etablierte Wissenschaftler, sondern vor allem auch für solche, die gerade auf dem Sprung sind und in etlichen Kurzvorträgen in diesen Tagen Gelegenheit bekommen, sich vor großem Fachpublikum zu bewähren.

Öffentlicher Vortrag

Dass es "im Himmel heißer war als in der Hölle" und was Quarks und Neutrinos sind und wie man sie heutzutage erforscht, warum die Teilchenphysik viel Geld kostet, sie aber zu unserer Kultur gehört und wir uns ohne sie die Welt gar nicht erklären könnten: Das erklärt der Aachener Physiker Professor Thomas Hebbeker öffentlich und kostenlos am Mittwoch, 20 Uhr, im Kàrmàn-Auditorium am Templergraben.