1. Kultur

Aachen/Köln: Hölderlin und Monde

Aachen/Köln : Hölderlin und Monde

Am Fuße des Aachener Lousbergs oder mit Blick auf den Rhein in Köln - die Künstlermuseen, die sich Günther Beckers und René Böll gönnen, stechen nicht nur durch ihre Kunst hervor, sondern auch durch die Lage.

Wie geschaffen für diese Blicke ins Grün und ins fließende Wasser ist das Thema „Kontemplation”, dem sich Beckers und Böll ein ganzes Jahr lang verschrieben haben. In Aachen und Köln gibt es vier Ausstellungen im Jahr, dazu Sonderausstellungen und/oder Konzerte - etwa von Beckers selbst, der sich neben der Malerei auch der Gitarre widmet.

„Dämmerung” nennt sich die aktuelle Ausstellung, die am Sonntag in Köln beginnt. Unter dem Dach des Rhenania-Kunsthauses am Rhein, gegenüber dem Schokoladenmuseum, öffnen sich schlichte, aber großzügige Räumlichkeiten für die Kunst. René Böll wird seine chinesischen Tuschen zeigen, die er dank ausführlicher Studien bei den Meistern der Kalligrafie perfektioniert hat. Außerdem gibt es von ihm Ölgemälde nach Hölderlin-Lyrik und Zeichnungen mit dem Silberstift.

Völlig andere Kräfte entfaltet Günther Beckers mit einem Vries in Öl. Die Lebensphasen einer Frau zeigt er in einer mehrteiligen Öl-Skizze - das elf Meter lange Original hängt in Bad Urach, wo Beckers bei den Musiktagen ausstellte und konzertierte. Immer wieder verblüffend und inspirierend sind seine Duplex-Arbeiten, die sich mit jedem Blick verändern. In Köln werden es „Mond-Tuschen” sein, Monde in der Dämmerung.

Seit Mai 2006 teilen Beckers-Böll ihre Kräfte für Aachen und Köln, wobei das Künstlermuseum im Rhenania Kunsthaus vom Publikum wesentlich besser angenommen wird als das Künstlermuseum in Aachen. Anlass für die Museumsteilung war das Sponsoring der Hafengesellschaft.

Neben der funktionierenden Kunstlinie Aachen-Köln pflegen beide Kooperationen mit Bad Urach und Haut Limbourg in Belgien, wo erst kürzlich in einem alten Schloss eine äußerst gehaltvolle Ausstellung von Beckers-Böll in Kombination mit zeitgenössischer und antiker afrikanischer Kunst zu sehen war.

Parallel zur Ausstellung in Köln hängen in Aachen auf Besucherwunsch erneut die 44 Gesichter von Günther Beckers, die den Passagieren des Flugs 93 am 11.9.2001 gewidmet sind. Sie flogen wissend in den Tod, ihre Physiognomien zeigen schwarz-weiß-grau die letzten Sekunden ihres Lebens.