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Aachen: Hochschulen rüsten auf für 480 Millionen

Aachen : Hochschulen rüsten auf für 480 Millionen

Bis zum Jahr 2015 sollen insgesamt 480 Millionen Euro aus öffentlichen Kassen in die bauliche Infrastruktur der Hochschulregion Aachen fließen.

Das sieht eine gemeinsame Absichtserklärung des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums, der RWTH Aachen und der Fachhochschule Aachen vor. Hartmut Krebs, Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium, und die Rektoren Burkhard Rauhut (RWTH) und Hermann-Josef Buchkremer (FH) unterzeichneten am Dienstag das neue Konzept zur Standortentwicklung, das aus einem Pilotprojekt mit dem klingenden Namen Hochschulstandort-Entwicklungsplanung (HSEP) hervorgegangen ist.

Mit jährlichen Investitionen von durchschnittlich 32,5 Millionen soll die RWTH bedacht werden, die Fachhochschule könnte demnach mit 7,5 Millionen pro Jahr rechnen.

Viel Sanierungsbedarf

„Mit diesem Pilotprojekt haben wir ein maßgeschneidertes Konzept für das Elitezentrum Aachen erstellt”, erklärte Hartmut Krebs bei der Unterzeichnung im Senatssaal der RWTH. Der Hochschulstandort Aachen solle künftig landesweit als Vorbild in Sachen Effizienz dienen: „Wir wollen die verstreut liegenden Hochschuleinrichtungen so konzentrieren, dass sich Betriebsabläufe optimieren lassen”. Auf diese Weise könnten Unterhaltskosten langfristig deutlich gesenkt werden, hofft der Staatssekretär.

So hat das Team des Münchener Architektur-Büros Schnell & Partner während der vergangenen zehn Monate insgesamt 358 Gebäude in der Region unter die Lupe genommen. Gegenüber einer konventionellen Planung habe man Einsparungen von bis zu 25 Prozent erreicht, so rechtfertigt Ferdinand Tiggemann, Geschäftsführer des Bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB) NRW, den Einsatz der externen Gutachter.

Rund neun Millionen Euro an Mietzahlungen könnten alleine die Aachener Hochschulen einsparen. Als Dienstleister der Hochschulen kümmert sich der BLB sowohl um Planung wie Durchführung öffentlicher Bauvorhaben. Investitionen in den Hochschulstandort Aachen sind nach Ansicht von Berater Hermann Schell dringend geboten: „Der Sanierungsbedarf ist hier mit bloßem Auge erkennbar.”

Die gewünschte Zusammenführung der dezentralen RWTH-Einrichtungen könne in Aachen nur durch die Aufgabe eines beträchtlichen Teils bestehender Gebäude realisiert werden. Für die RWTH bedeutet dies konkret: Der Ausbau des Standorts Melaten wird nur noch die derzeit geplanten Projekte umfassen.

Weitere ingenieurswissenschaftliche Studiengänge wandern aus der Innenstadt in den Campusbereich Hörn, während sich im Zentrum die Geisteswissenschaften konzentrieren. Die FH wird ihren Standort an der Eupener Straße weiter ausbauen. Im Forschungszentrum Jülich laufen derweil die Planungen für einen runderneuerten Campus auf Hochtouren.

„Vorbildlich engagiert”

„Für die Zukunft der RWTH sind diese Investitionen enorm wichtig”, erklärte Rektor Burkhard Rauhut. Nur mit einer entsprechenden Ausstattung könne die Hochschule in der Diskussion um Eliteunis Ansprüche stellen. FH-Rektor Buchkremer sieht das Konzept ähnlich wohlwollend: „Wir geben gerne etwas von unserer Autonomie ab, wenn sich das Land dafür so vorbildlich in Aachen engagiert.”

Fraglich ist derzeit allerdings, ob die Gelder überhaupt in dem geplanten Umfang nach Aachen fließen. „Das Finanzministerium hat derzeit noch Angst vor der eigenen Courage. Deshalb gibt es noch keine konkrete Zusage”, sagte Staatssekretär Krebs. Die Zuwendungen des Landes würden jedoch „zumindest auf dem Niveau von 2004 bleiben”. Unklar sei überdies, inwieweit sich der Bund in Aachen künftig engagiere.