Aachen: HipHop trifft Modern Dance beim Schrittmacher-Festival

Aachen : HipHop trifft Modern Dance beim Schrittmacher-Festival

Strahlend springt er auf die Bühne, stellt sich zwischen seine Tänzerinnen und Tänzer, und kann selbst im Hintergrund die Füße nicht stillhalten: Der Choreograph Victor Quijada hat 2002 die Rubberbandance Group gegründet — aus Leidenschaft für den Streetdance und aus Überzeugung, zusammen mit klassischem Tanz, Contemporary Dance und ganz viel Temperament einen eigenen Stil zu kreieren.

Beim Aachener Tanzfestival Schrittmacher in der Fabrik Stahlbau Strang stellt die kanadische Truppe mit vier Männern und drei Frauen einen Querschnitt aus dem Schaffen Quijadas vor. Tastend fordern die ersten Stücke — es sind frühe Arbeiten — noch Geduld beim Zuschauen.

Das Stupsen an die Gelenke, das pantomimische „Anhaften“ der Hand am anderen, das Austesten einer tänzerisch-magnetischen Wirkung der Personen untereinander beweist feine Zeichnung von Bewegungsabläufen. Unter dem Motto „Vics Mix“ setzen die Akteure um, was sich ihr Compagnie-Chef vorstellt: Streetdance-Figuren, bei denen auch schon mal ein bisschen Yoga, Capueira oder Tai Chi einfließen dürfen, werden kultiviert und in höchster Körperbeherrschung miteinander verflochten.

Die Compagnie ist damit so beschäftigt, dass bei Aktionen, die durch synchrone Bewegungsmuster stärker würden, jeder eher an seine Paar-Aktion und weniger an die der anderen denkt.

Starke Frauen

Ernst und energiegeladen funkeln besonders die drei sehr unterschiedlichen Frauen die Männer an, übertrumpfen sie häufig. Einmal drängen sie die Tänzer sogar von der Bühne.

Quijada mag offensichtlich die witzigen Breaks und lässt in mehreren Szenen eine laut lamentierende Rubberbandance Group agieren. Das ist alles mal kurz ganz lustig, aber auf die Dauer so nervig, wie die quietschenden Turnschuhe. Gags sollte man nicht überstrapazieren.

Im zweiten Teil kommt mit einer geschickten Musikauswahl deutlich mehr Schwung in den Abend. Wunderbar klassisch-modern im kargen Raum wird eines der bekannteste Motive aus Sergei Prokofievs „Romeo & Juliet“-Suite, der „Tanz der Ritter“ mit seiner schwermütigen Dynamik, attraktiv umgesetzt.

Hier strahlen die Tänzer Ernst und Kraft aus, wird der Streetdance zur unwiderstehlichen Botschaft, darf alles eingesetzt werden, was die „Battles“ bieten. Gleiches gilt für eine Passage aus Igor Strawin-skys „Feuervogel“ — in seiner schillernden Expressivität genau die richtige Aufgabe für ein Ensemble, das sich körperlich so frei ausdrücken kann. Intensiv die Umsetzung der musikalischen Ornamentik von Johann Sebastian Bachs „Partita“.

Tänzerisch sind Männer und Frauen stark aufeinander bezogen, der Kampf der Geschlechter ist allgegenwärtig. Frisch und flott wird der Pas de deux zum Trinklied auf die Liebe aus der Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi interpretiert. Frech und strahlend der Tänzer, anschmiegsam und katzenhaft seine Partnerin, dafür gibt es Szenenapplaus. Begeisterter Applaus in der Fabrik.

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