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Düsseldorf: Herbert Grönemeyer: Es bleibt doch alles anders

Düsseldorf : Herbert Grönemeyer: Es bleibt doch alles anders

Die Feuerprobe ist überstanden. Sowohl für ihn, als auch für sie. Ihr Leben begann vor drei Jahren, seins vor mehr als 48. Er ist, was Mega-Konzerte angeht, ein alter Hase, sie dagegen betrat Neuland.

Freitagabend erlebten in Düsseldorf 47.000 begeisterte Fans wie es sich anhört, anschaut und anfühlt, wenn Herbert Grönemeyer in der ausverkauften LTU-Arena spielt.

Was für die Arena (Baubeginn Januar 2002) in Sachen Pop-Konzert in dieser Größenordnung ein Anfang war, setzte für Grönemeyer (48) einen Schlusspunkt.

Fast. Denn einen Abend später, am Samstag, gab er in der LTU-Arena vor weiteren 47.000 das endgültig letzte Konzert der „Alles Gute von Gestern bis Mensch”-Tour. Die konnte zwischen November 2002 und Juli 2003 mehr als 1, 5 Millionen Besucher verzeichnen - und war damit so erfolgreich, dass der deutsche Superstar im Sommer 2004 noch sechs Open-Air-Termine anhängte.

Nun also das gleiche Programm, schon wieder, in einer neuen Arena? „Bleibt alles anders” heißt eine von Grönemeyers Platten. Für Freitagabend hätte sie das perfekte Motto abgegeben. Ein bisschen ist es wie nach Hause kommen. Das gleiche Bühnenbild mit transparentem Vorhang, die gleiche Ouvertüre mit „Blick zurück”, der gleiche Mann mit dem schütteren Blondhaar, ein bisschen kräftiger als beim vorigen Mal. Und doch voller Entdeckungen.

Der Blick gleitet über die dicht besetzten Ränge, bis ganz hoch oben, wo die Köpfe klein wie Stecknadeln erscheinen, tastet die grauen Platten des Schiebedachs ab, die Jalousien und Stahlträger und gleitet wieder hinunter, vorbei an den Quadraten der gläsernen VIP-Lounges, den Schattenrissen dahinter und den langen Lichterperlenketten, die die Gänge markieren und säumen.

Dicht wie Grashalme

Im Innenraum stehen die Menschen dicht an dicht wie Grashalme. 30 Meter weit reicht der Steg auf Höhe ihrer Köpfe, und den, der darauf steht, in Turnschuhen, brauner Hose und weitem, schwarzen Sweatshirt, spült die aufbrandende Begeisterung fast hinunter. „Dankeschön! Dankeschön! Guten Abend, Düsseldorf!” - auch die Stimme ist wohl vertraut, dieses kratzige, kurze, atemlose typisch Grönemeyersche Hervorbellen der Vokale.

Der Abend in der neuen Arena wird ein Abend voller Komplizenschaft - fast exakt drei Stunden lang. Fast alle können fast alles mitsingen - sogar dann noch, wenn „Herbie” stimmakrobatische Extratouren forciert, die in opernhafte Höhen führen.

Dafür revanchiert er sich mit selbstironischen Geständnissen („Es ist gar nicht so einfach, wenn man sich ständig sehen muss. Deswegen stehe ich meistens so, Rücken zum Publikum, und wenn ich hier hoch gehe, den beiden Großbildleinwänden entgegen, mach ich die Augen zu.”) und Bewährtem in Ton, Licht und Bild.

Die Feuerfontänen vor „Neuland” sind gute alte Bekannte ebenso wie der auf und ab hüpfende Eisbär bei „Mensch” oder die bunten Riesen-Luftballons im Glimmerregen von „Mambo”. 100 in der Arena verteilte Lautsprecher sorgen für eine ausgewogene Beschallung und schonen die Ohren derer, die direkt vor der Bühne stehen.

Auch dass die Show am Ende, nach 16 Stücken, um 21.45 Uhr, mit „Zum Meer” noch lange nicht zu Ende ist, gehört zum Spiel. Der auf der Bühne und die davor wissen ganz genau, dass noch vier Zugaben-Sets folgen - und doch tun sie so, als wüssten sie das nicht.

Dann ist die Feuerprobe endgültig überstanden. Für ihn und für sie. Für einen vor Energie nur so sprühenden Herbert Grönemeyer und für eine neue Arena, die fast 50000 Menschen zugleich erstaunlich locker verkraftet hat.