Aachen: Helge Schneider begeistert im Eurogress mit dem bekannten Anti-Konzept

Aachen : Helge Schneider begeistert im Eurogress mit dem bekannten Anti-Konzept

Eigentlich ist alles wie immer. Kaspereien, musikalische Virtuosität, Wortwitz und einiges Gerümpel. Und doch schafft es Helge Schneider auch im Jahr 2018, seinem jahrzehntelang gepflegten programmatischen Anti-Konzept auf der Bühne frische Akzente zu injizieren.

Der mittlerweile 62-Jährige hat am Dienstag bei seinem Auftritt im nahezu ausverkauften Aachener Eurogress einmal mehr seine einmalige Fähigkeit unter Beweis gestellt, sowohl sinnfreien bis hintersinnigen Nonsens als auch die Magie des Jazz in einem Unterhaltungsformat zu vereinen.

Trotz aller Albernheiten wirkt Mülheims berühmtester Sohn mittlerweile irgendwie gereift. Was dabei besagtes Alter angeht: wie heißt es so schön, man merkt es ihm nicht an. Schneider, hager wie eh und je, mit einem Pepita-Karo-Sakko verhältnismäßig dezent gekleidet, verzichtet an diesem Abend — und auf dieser Tournee? — auf eine Perücke. Was er allerdings zur Freude seines Publikums überreichlich im Fundus hat, sind absurde Geschichten aus dem Schneider-Universum, die er zwischen den Musikstücken oder auch mal mittendrin einstreut.

Louis Armstrongs Nebelmaschine

Da ist zum Beispiel die Story von Louis Armstrongs Nebelmaschine, die heute Dienst für Schneider tut — vor ihm allerdings auch schon Pur, Tina Turner und Lena Valaitis gehörte. Und so lässt er es immer wieder rauchen, auch wenn der Effekt zwischenzeitlich getrübt wird: „Nicht einatmen, is‘ hochgiftig.“ Das Publikum verzeiht die Bedrohung mit einer von vielen Gelächtersalven. Da sind auch die Ereignisse jener Tage, als der damals 19-Jährige allein als Tramper nach Berlin aufbrach, um seine großen Jazz-Vorbilder zu erleben. Hat nicht geklappt, sagt Schneider. Um dann schließlich doch noch Duke Ellington zu treffen. Fast ist man geneigt, ihm die Nummer abzukaufen.

Wer Schneiders Biografie auch nur ansatzweise studiert, wird seiner Verehrung für die Altvorderen des Jazz gewahr. „Aber dann war der das gar nicht. Und auch noch eine Frau“, empört sich Schneider, über sein Vibraphon gebeugt, das er ebenso atemberaubend abgedreht beherrscht wie Cello, Gitarre, Panflöte oder Saxofon an diesem Abend.

Eine andere Konstante in Schneiders Bühnenleben muss derweil für die eine oder andere Beleidigung herhalten. „Peter Thoms am Schlachzeuch“ sitzt die Frotzeleien ebenso stoisch aus wie Kontrabassist Rudi Olbrich. Auch fürs Publikum hält Schneider einige Spitzen bereit — und lässt sogar Kritik an sozialer Ignoranz durchblicken. Kurz vor dem Schlussakkord der Zweieinhalb-Stunden-Show gibt er dann sogar noch eine Wahrheit aus seiner Biografie zum besten: „Ich wurde geboren, dann bin ich aufgewachsen, jetzt bin ich hier in Aachen“.

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