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Heino: „Mein Sinn für Humor wird oft unterschätzt”

Heino: „Mein Sinn für Humor wird oft unterschätzt”

Bad Münstereifel. Mit seinen vielen Kritikern gibt sich Heino schon lange nicht mehr ab: „Mit den Jahren bin gelassener geworden”, sagt Heinz Georg (Heino) Kramm.

Also schlechte Zeiten für all jene, die jahrzehntelang Spott und Häme über den blonden Sänger mit der markanten dunklen Brille ausgeschüttet haben: „Mein Produzent hat einmal gesagt: Sie können über Dich sagen, was sie wollen - wenn Du auf Dein Konto guckst, weiß Du, dass Du alles richtig gemacht hast.”

Am 13. Dezember wird der einstige Bäckerlehrling 70 Jahre alt. In seiner Karriere hat Heino seit 1965 über 1000 Lieder aufgenommen und mehr als 50 Millionen Schallplatten und CDs verkauft - nicht schlecht für jemanden, der von sich behauptet, keinen besonders ausgeprägten Ehrgeiz besessen zu haben: „Ich war nie so zielstrebig, dass ich etwas erreichen wollte. Ich habe mich meistens immer etwas treiben lassen.”

Als junger Mann hatte sich der Düsseldorfer eigentlich zum klassischen Bariton ausbilden lassen wollen und nur nebenbei Unterhaltungsmusik gemacht. Alles kam anders, als Heino von Schlager-Ikone Ralf Bendix („Babysitter-Boogie”) entdeckt und gefördert wurde: „Meine erste Platte Jenseits des Tales war so ein großer Erfolg, dass mir die Plattenfirma direkt einen Zehn-Jahres-Vertrag angeboten hat. Von da musste ich nicht anderes mehr tun, als Volkslieder zu singen.”

Seine Kritiker hatten stets behauptet, dass man in der Blütezeit des Beats keine Volksmusik machen kann: „Ich habe bewiesen, dass das sehr wohl geht. Je mehr Spötter und Kritiker ich hatte, desto größer war mein Erfolg.”

Mit stoischem Lächeln zog Heino in den folgenden Jahrzehnten über die Bühnen und durch die TV-Studios der Republik. Stimme und Auftritt waren unverwechselbar, die Neigung zu mitunter bizarren Texten allerdings auch, wie „Mohikana Shalali”, „Karamba, karacho, ein Whisky” oder auch „Komm in meinen Wigwam” belegten. Dazu kamen klassische Volkslieder wie „La Montanara” und „Wir lieben die Stürme”, die letztlich Heinos Bedeutung als Interpret von volkstümlicher Musik begründeten: „Wenn ich nicht gewesen wäre, dann wäre die Volksmusik verkümmert und hätte nicht den Ruf, den sie heute hat.”

Einen Nachfolger für sich sieht er noch nicht: „Aber wenn ich einen sehe, dann werde ich ihn mir schon schnappen.” Denn das Volkslied und die Volksmusik müssten ja weiterbestehen.

Einige Stationen seiner Karriere sind ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Ich habe ja nie in der DDR singen dürfen, obwohl ich dort viele Fans hatte. Da war es schon etwas Besonderes, als ich nach dem Fall der Mauer zum ersten Mal in Dresden vor 150.000 Menschen auftreten durfte.” Auch darauf, dass er der erste war, der sich traute, alle drei Strophen der Nationalhymne zu singen, sei er heute noch stolz.

Privat ist ihm die Begegnung 1972 mit seiner heutigen Ehefrau Hannelore wertvoll: „Deutscher Volkssänger liebt österreichische Prinzessin - das war schon ungewöhnlich.” Persönliche Schicksalsschläge sind ihm allerdings nicht erspart geblieben. Seine Tochter und seine erste Ehefrau nehmen sich das Leben.

Äußerst schwierig war auch das vergangene Jahr: Wegen akuter gesundheitlicher Probleme musste Heino eine Deutschland-Tournee absagen. Die für solche Fälle abgeschlossene Versicherung weigerte sich, den Ausfall zu erstatten. Als einige Fans Heino anzeigten, weil sie auf den Kosten für ihre Konzertkarten sitzen blieben, war der Sänger tief getroffen: „Ich hatte meinen seelischen Tiefpunkt erreicht.” Um seine Fans zu entschädigen, zahlte Heino nach eigenen Angaben 600.000 Euro aus seinem Privatvermögen.

Inzwischen ist er wieder optimistisch: „Mein Sinn für Humor und Selbstironie wird oft unterschätzt. Ich habe das Leben nie so ernst genommen, wie man mich immer hingestellt hat. Ich bin ein rheinisches Kind, im Karneval groß geworden.”

Im Mai zieht das Ehepaar Kramm in die seniorengerechte zweite Etage des Bad Münstereifeler Kurhauses. Dort ist alles ebenerdig und somit leichter auch für die Ehefrau Hannelore, die nach einer Knieoperation Probleme mit dem Treppensteigen hat. ”Das Heino-Rathaus-Café ist nur 50 Meter entfernt, da ist es auch etwas einfacher für mich.”