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Aachen/Düren: Heimtückischer Mordversuch: Im Wahn gehandelt

Aachen/Düren : Heimtückischer Mordversuch: Im Wahn gehandelt

Der 39-jährige D. muss sich vor dem Aachener Schwurgericht verantworten. Im vergangenen Oktober stach er seiner Frau einen Schraubenzieher durch den Hals - sie entrann nur knapp dem Tod.

„Deutschland ist ein schönes Land. Und da wird alles aufgeschrieben, das ist nützlich, sehr verehrter Herr Vorsitzender, Dr. Nohl.” Die Umgangsformen des Beschuldigten D. (39), einem Deutschen, der ursprünglich aus dem Kosovo stammt, waren höflich bis ins Kleinste vor dem Aachener Schwurgericht.

Ein gebildeter Mensch sprach dort, ein Mann mit Abitur und ordentlich gekleidet im weißen Hemd, Vater zweier Kinder im Alter von fünf und acht Jahren. Doch was er getan haben soll - zugegeben laut Staatsanwalt unter dem Einfluss einer paranoiden Psychose, was den Angeklagten somit schuldunfähig mache - ist schrecklich.

Heimtückisch

Am 26. Oktober 2007 ging er mit seiner Ehefrau (29) und den Kindern morgens gegen 7.50 Uhr in Düren aus dem Haus, ein Kind sollte zur Schule, das andere in den Kindergarten. Weil es seit langem Streit gab, lief die Scheidung des Paares.

Laut Anklage fragte er auf dem Schulweg die völlig ahnungslose Ehefrau, was denn nun mit dem Sorgerecht für die beiden Kinder sei. Das müsse das Verfahren vor dem Familiengericht ergeben, habe die Mutter geantwortet.

Da geschah das Unfassbare: Er drückte seine Ehefrau an eine Scheibe und schlug sie zu Boden. Dann stach der Druckereihelfer mit einem spitz angeschliffenen Schraubenzieher auf seine Frau ein, traf sie mehrfach in die Brust und rammte ihr zuletzt das spitze Tatwerkzeug quer durch den Hals.

Die Anklage nannte das „heimtückisch” - also Mordversuch. Völlig zufällig kam ein Rettungswagen auf einer Einsatzfahrt vorbei, das Opfer überlebte nach der Notoperation mit viel Glück. Auch ein Beamter der Spurensicherung sagte am Mittwoch dazu aus. Er zeigte sich beeindruckt, dass die Frau die Attacke überlebte; schließlich sei der Schraubenzieher quer durch den gesamten Hals gedrungen.

Auf den Bauch gelegt

Ein Kradfahrer der Polizei kam als erster dazu, sah den Täter wenige Meter entfernt. Er hatte sich ganz still bäuchlings auf den Boden gelegt und auf seine Festnahme gewartet: „Ich war das. Das ist meine Frau”, habe er gemurmelt.

Von leisem Auftreten war am Mittwoch vor Gericht keine Spur. Der Beschuldigte, der zur Zeit in einer forensischen Klinik untergebracht ist, will zur Tat nichts sagen.

Stattdessen hielt er dem „sehr verehrten” Richter Vorlesungen über Gott und die Welt, stockte dann abrupt und fühlte sich beobachtet. „Darf ich aufstehen?” fragte er. „Wenn Sie nicht weglaufen, sicher”, antwortete Nohl ein wenig schelmisch.

Das Verfahren ist auf sechs Tage angesetzt, am 30. Mai ist der nächste Verhandlungstag.