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Aachen: Hattrick-Helden auf virtueller Torjagd

Aachen : Hattrick-Helden auf virtueller Torjagd

Miroslav Klose, Eusebio oder auch Oleg Salenko sind Hattrick-Helden. Keine Frage. Thomas Heinen, Timur Dikmen und Thomas Bünten auch. Aber das ist nicht dasselbe.

Nie ist es ihnen gelungen, drei Tore in einem Fußball-Länderspiel zu erzielen, geschweige denn in einer Halbzeit und in Folge, wie es die deutsche Definition von einem lupenreinen Hattrick so will. Jedenfalls waren sie nicht selber mit dem Fuß am Ball, denn aktiv spielen sie nur ab und zu auf dem Bolzplatz. Ihre „Heldentaten” verbringen sie in einer virtuellen Fußballwelt im Internet. Bei www. hattrick.org sind sie Manager ihrer eigenen Klubs und treten gegen Vereine aus der ganzen Welt an.

Betreff: „süchtig”

Angefangen hat alles im April 2004. Da bekam Thomas Heinen eine E-Mail von einem Freund aus Stuttgart, der begeistert von dem Online-Spiel erzählte. Im Betreff: „süchtig”. Seitdem grassiert der „Hattrick-Virus” im Templergraben in Aachen. Dort hat der 35-jährige Grafikdesigner sein Büro, gemeinsam mit den Textern Thomas Bünten (33) und Timur Dikmen (33), die kurze Zeit später auch „infiziert” waren.

Nach Feierabend und am Wochenende kommen - sozusagen als Ausgleich zum kreativen Job - die betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten der Bürogemeinschaft zum Vorschein. Als Fußballmanager müssen die drei vor allem haushalten können: Spieler, Trainer, PR-Berater, Ärzte etc. wollen aus dem virtuellen Budget-Topf bezahlt werden, neue Spieler müssen eingekauft und das Stadion soll ausgebaut werden.

Einnahmen gibt es wiederum durch die Zuschauerzahlen und die zahlenden Mitglieder des Vereins, die beide vom Erfolg abhängig sind. Auch die Sponsoren sind bei einem erfolgreichen Verein zahlfreudiger. „Das ist wie ein kleines Wirtschaftsunternehmen”, sagt Bünten.

Kein Wunder, dass die große Mehrzahl der Hattrick-Manager Männer sind. Seit jeher haben schließlich Spiele dieser Art mehr das männliche Geschlecht fasziniert. Doch die Frauen sind auf dem Vormarsch: „Bei Hattrick trainiert eine Frau die deutsche Nationalmannschaft”, betont Thomas Heinen.

Kreative Vereinsnamen

Vom Templergraben aus schickt Manager „Delzepich” (Heinen) den „Tee Ess Vau” in die Hattrick-Welt. „Heiliger Ewald” (Bünten) tritt mit „Die Geissböcke” an, und „Viktoria Aachen” wird von „Timilein” (Dikmen) trainiert. Jeden Samstag finden die Ligaspiele statt. 2 mal 45 Minuten - wie im wahren Leben. Diese können dann über Liveticker verfolgt werden.

Heute ist Dienstag, und Dienstag ist der „National friendly”-Tag, Zeit für nationale Freundschaftsspiele. Da schicken auch die Aachener ihre Kicker auf den Rasen. Doch für sie geht es nicht um irgendein Spiel. Es geht um den „Templer Cup”, den die Bürogemeinschaft ins Leben gerufen hat. „Mit Freundschaftsspielen können die eigenen Spieler fit gehalten werden”, erklärt Thomas Heinen. Doch: „Man muss sich auch gut überlegen, welche Spieler man auf den Rasen schickt, denn wenn sich einer verletzt, fällt er für das Ligaspiel am Samstag aus.” Klar. Wie im wahren Leben.

Spielverlauf wird berechnet

Heute findet ein Heimspiel von „Viktoria Aachen” gegen den „Tee Ess Vau” statt. „416 Zuschauer sind gekommen, um das Spiel bei schönem Fußballwetter zu genießen”, beginnt der Ticker. Die Aufstellung und Taktik der beiden Teams folgen. Diese werden ebenso wie die möglichen Auswechselspieler von den Managern vor Beginn des Spiels festgelegt. Dann der Anpfiff. Jetzt können sich „Delzepich” und „Timilein” zurücklehnen, denn in den Spielverlauf können sie nicht mehr eingreifen. „Dieser errechnet sich aus den Stärken und Schwächen der eingesetzten Spieler”, so Dikmen und fügt hinzu: „Ein bisschen Glück ist auch dabei.”

Dann wieder ein Blick auf den Monitor: „Viktoria vernachlässigt sein Sturmzentrum und setzt stattdessen konsequent auf den Angriff über die Flügel.” Auweia, wenn das mal kein Fehler ist. Die Quittung folgt postwendend. Zur Halbzeitpause führt der „Tee Ess Vau” mit 2:0.

„Es ist faszinierend, die Geschicke des eigenen Fußballclubs vom Spielereinkauf bis zur Mannschaftsaufstellung lenken zu können. Außerdem kann man sich in der Liga mit real existierenden Personen messen und in Foren und Föderationen austauschen”, beschreibt Heinen das Fesselnde dieses Spiels. Er selbst ist unter anderem Mitglied in der „Trash Trikot”-Föderation, die derzeit ein Treffen in Berlin plant. Von Angesicht zu Angesicht.

Sieg für den „Tee Ess Vau”

Heute sitzt Heinen direkt neben einem anderen Manager und kann auf den Erfolg seiner Hattrick-Tätigkeit blicken. Sein Keeper lässt nämlich an diesem Tag keinen Ball durch. Der „Tee Ess Vau” gewinnt mit 5:0. Allerdings teuer erkauft mit zwei Verletzten und einer gelben Karte. Dafür hat sich „Tee Ess Vau”-Stürmer Josif Budisavljevic ins Rampenlicht geschossen. Mit einem Hattrick. Fast wie Miroslav Klose, Eusebio oder auch Oleg Salenko.