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Aachen: Harte Zeiten für ein Zukunftsmodell

Aachen : Harte Zeiten für ein Zukunftsmodell

Der Vetschauer Berg liegt am nordwestlichen Rand des Aachener Stadtgebiets. Von hier aus ist das Roda-Stadion in Kerkrade fast näher als der Tivoli, im Süden erhebt sich die Kirche in Vaals malerisch aus dem Tal und nach Osten ziehen sich Wiesen und Felder über die hügelige Landschaft, die sich weiter hinten nach Laurensberg absenkt.

Hier, im Niemandsland zwischen niederländischer Grenze und Orsbach, steht der „Euro-Windpark” Aachen. Neun Windräder recken sich auf den spätsommerlich kahlen Feldern dem Himmel entgegen, ihre Rotoren drehen sich gleichmütig im Wind.

„Anfang der 90er Jahre hat noch niemand geglaubt, dass man Windenergie in Aachen nutzen kann”, sagt Horst Kluttig. Der promovierte Physiker aus Herzogenrath engagiert sich seit Ende der 80er Jahre im Energiebereich und hat den „Aufstieg und Boom der Windenergie in der Region hautnah miterlebt”. Kluttig ist Geschäftsführer der „Energie 2030 GmbH”, die am Vetschauer Berg vier Anlagen betreibt, sowie Miteigentümer und Geschäftsführer der „Neue Energie GmbH”, die auf dem Gelände eine von weltweit acht Anlagen mit Besucherplattform stellt. Zudem hat er den Bau weiterer Anlagen auch über die Grenzen der Region hinaus wissenschaftlich begleitet.

Insgesamt, so sagt Kluttig, gebe es rund 60 Windräder im Raum Aachen, davon etwa 50 im Kreisgebiet. In NRW gibt es rund 2300 Anlagen. „Es ist überraschend, wie gradlinig die Entwicklung gelaufen ist.” In der Tat haben erneuerbare Energien in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt und konnten bundesweit auch in der ersten Hälfte diesen Jahres ihren Anteil an der Stromerzeugung erneut steigern. Mittlerweile werden elf Prozent, also 31 Milliarden Kilowattstunden, mit Hilfe von Sonne, Wind und Wasser erzeugt. Die Windkraft lieferte mit 15,1 Milliarden Kilowattstunden die Hälfte der Strommenge aus erneuerbaren Energien. Die Produktion der Mühlen konnte so im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent gesteigert werden.

Doch die Zukunft der Windenergie sieht trotzdem nicht rosig aus, denn zumindest in NRW will die neue schwarz-gelbe Landesregierung den Bau und die Förderung von Windkraftanlagen deutlich einschränken.