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Stolberg: Harte Arbeit für den Durchblick

Stolberg : Harte Arbeit für den Durchblick

Glas ist auch im Kunststoffzeitalter noch ein unersetzbarer Stoff. Eine noch wichtigere Rolle spielte das Material vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Im krassen Gegensatz zu den meistens kühlen, zerbrechlichen Produkten stand in der Vergangenheit der mühsame Prozess der Fertigung. Wie diese Arbeit in den Glashütten ablief, zeigt nun sehr anschaulich eine Ausstellung von über 80 Grafiken, Fotografien und Postkarten im Industriemuseum Zinkhütter Hof in Stolberg.

Die Schmelzöfen setzten Rauch und Hitze frei. Trotz luftiger Kleidung sieht man die Arbeiter also oft schweißüberströmt. Sie stemmen schwere Schmelzklumpen, blasen große und kleine Hohlformen oder assistieren den Kollegen bei der Formgebung.

Einige Darstellungen ziehen Parallelen zu Höllenszenarien mit einem lodernden Feuer und geschäftig agierenden Männern im Schatten. Andere nutzen den intensiven Lichteinfall zu künstlerisch interessanten Darstellungen. Neben den Techniken, Ausrüstungen und Arbeitsbedingungen geben die Bilder Aufschluss über soziale Aspekte der Produktion: Nicht selten sind Kinder und Frauen bei der Verrichtung körperlich schwerer Arbeit abgebildet.

Neben Gefäßen, die anschließend oft geschliffen und veredelt wurden, stellte die Herstellung von Flachglas einen wichtigen Teil der Produktion dar. Zu den ergänzenden Exponaten der Ausstellung zählt ein blauer länglicher Hohlkörper, der an eine unförmige Magnumflasche erinnert. Solche Rohlinge wurden im heißen Zustand aufgeschnitten und anschließend seitlich in flache Formen gepresst.

Glaszentren

Fast aktuell sind die schweren Metallformen für Glasvasen, die aus dem 20. Jahrhundert stammen: Nachdem der Glasbläser die zähflüssige Schmelze in die Öffnung geblasen hatte, konnte die Form nach dem Abkühlen aufgeklappt und das zerbrechliche Produkt herausgenommen werden. Das Blumenmuster der Innenwände hatte das Dekorationsobjekt dann geradezu verinnerlicht. Auf diese Weise wurde Handarbeit mit Massenfertigung kombiniert.

Die Bilder sind eine Leihgabe des Westfälischen Industriemuseums des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und spiegeln die Produktion der Zentren in Jena, der Oberlausitz und dem Riesengebirge wider. Aber auch Darstellungen aus NRW, Belgien und England werden in der ehemaligen Stolberger Glashütte gezeigt.