Aachen: Hanns Pastor: Pionier der Nachkriegskunst

Aachen : Hanns Pastor: Pionier der Nachkriegskunst

In den 50er und 60er Jahren gehörte er zu den Pionieren der abstrakten Malerei in Deutschland: der Aachener Künstler Hanns Pastor. Mit Karl Fred Dahmen, Karl Otto Götz, Herbert Kaufmann, Fritz Martin, Hubert Werden und Raoul Ubac zählte er damals zu jenen „jungen Stürmern“, denen das Suermondt-Ludwig-Museum 2006 unter dem Titel „Aufbruch im Westen“ eine umfangreiche Ausstellung widmete.

Am 21. März wäre Pastor, der 2009 an den Folgen eines Autounfalls starb, 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass präsentieren Freunde und Sammler seiner Werke eine Ausstellung im Kulturwerk Aachen, der Galerie des Bundesverbandes Bildender Künstler Aachen (BBK) in den Aachen-Arkaden.

Das älteste der 55 Werke stammt von 1937, ein pastoses Blumenstillleben, das jüngste aus dem Jahr 1998. Kurator Günter Perplies, ehemaliger Galerist in Aachen und bester Pastor-Kenner, kann auch solche Arbeiten zeitlich zuordnen, die weniger bekannt und nicht datiert sind. Zum Beispiel ein Aquarell mit einer Ansicht des Kaiser-Friedrich-Denkmals in Köln aus den frühen Kölner Jahren des gebürtigen Jülichers. „Die Bebauung existiert in Köln gar nicht mehr“, sagt Perplies. „Es muss vor dem Krieg entstanden sein.“

In Köln studiert Pastor Medizin — seinen Weg zur Kunst findet er über traumatische Erlebnisse als Feldarzt im Zweiten Weltkrieg. „Die Jungs, die morgens noch fröhlich pfiffen, bekam er abends zerfleddert auf den OP-Tisch“, erinnert sich Perplies an Pastors Erzählungen. Viele Verwundete schreibt er länger krank — und wird deswegen kurz vor Ende des Krieges wegen „Zersetzung der Wehrkraft und antinationalistischer Umtriebe“ zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. „Die Amis haben ihn befreit.“ Den Arztkittel hängt Pastor für immer an den Nagel.

Als freischaffender Künstler lässt er sich zunächst in Köln nieder, 1947 zieht er zu seiner Lebensgefährtin nach Stolberg und wird hier Nachbar von Karl Fred Dahmen. In dieser Zeit entstehen zwei freie, außergewöhnlich farbenfrohe, surrealistische Bilder voll verschlungener Formen, die nichts mehr von dem Trauma der letzten Jahre ahnen lassen: „Winterlicher Tannenwald“ und „Hahn“. Den „Tannenwald“ hat Perplies nach einem Bietergefecht im Kölner Auktionshandel ersteigern können.

Anfang der 50er erlebt Pastor prägende Studienjahre in Paris, wo er in den Ateliers von solchen Größen wie Fernand Léger und der Künstlergruppe der Nouvelle École de Paris arbeitet. Die Farben sind erdig, die Bilder düster, die Oberflächen schrundig — gegen Ende der 70er greift er die abstrakten Themen aus jener Zeit wieder auf.

In Paris — hier lernt er unter anderem Georges Braque kennen — entstehen poetisch arrangierte Materialcollagen aus Draht, Metrokarten, Wellpappe und Teilen seiner Hose.

Mit dem Namen Hanns Pastor bleibt vor allem die Erinnerung daran lebendig, dass in den 50er Jahren gerade von Aachen ein lebhafter künstlerischer Austausch mit Frankreich ausgeht. Die jungen Avantgardisten, die sich hier zum „Aachener Künstlerbund“ und 1952 zur „Neuen Aachener Gruppe“ zusammenschließen und im Suermondt-Museum ihre ersten Ausstellungen haben, laden Pastor regelmäßig zu ihren Präsentationen ein.

Zu der Gruppe gehören Künstler wie die Stolberger Dahmen und Fritz Martin sowie die Aachener Hubert Werden und Rolf Faber. 1953/54 schicken sie eine Wanderausstellung auf Reisen durch Städte im niederländischen Limburg, im Ruhrgebiet und nach Düsseldorf. Beteiligt sind unter anderem auch Pastor und Peter Lacroix sowie Altmeister Ewald Mataré, späterer Lehrer von Joseph Beuys.

Zusammen mit Jupp Kuckartz, Peter Lacroix und Fritz Martin gründet Pastor in Aachen die legendäre „Gruppe 65“, die in Jahresausstellungen im Suermondt-Museum starke Akzente setzt. Tuschearbeiten, die mit ihren Strukturen an Pastors bildhauerische Schieferwerke erinnern, stammen aus dieser Zeit.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet Pastor von 1961 bis 1980 als Kunsterzieher am Viktoria- und Rhein-Maas-Gymnasium.

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