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Cannes: Hanks bringt Cannes zum Lachen

Cannes : Hanks bringt Cannes zum Lachen

Mehr als ein Jahrzehnt mussten wir darauf warten: Tom Hanks spielt wieder einmal Komödie - das Fach, dem er seine frühen Karriere-Erfolge verdankt.

Und da „The Ladykillers” auch noch ein Film der Brüder Joel und Ethan Coen ist, gab es außerordentlich viel Spaß im Cannes-Wettbewerb. „Wenn man so lange im Geschäft ist wie ich, dann gibt es nicht mehr so viele Dinge, die man noch nicht gemacht hat”, sagte Hanks, „erstmals auf dem Festival in Cannes zu sein, ist für mich deshalb wirklich noch etwas Außergewöhnliches”.

Seltsame Experten

Mrs. Munson ist eine tiefgläubige und ehrliche Seele. Beim Gospelchor der Kirchengemeinde ist sie ebenso mit dem Herzen dabei wie beim Bericht an die Ordnungshüter des Südstaaten-Örtchens.

Gerade bei dieser stämmigen Verkörperung der Moral nistet sich der selbst ernannte Professor Dorr (Hanks) ein, um einen gigantischen Raubzug auszuführen. Mit Hilfe von vier Kumpel, die für Muskelkraft, Explosivität, Tunnelbau und Zugang zum Safe stehen, soll das Geldlager eines Casinos von unerwarteter Seite angegraben werden.

Hinter dem Deckmantel musikalischer Ertüchtigungen geht es frisch ans Werk, doch dem Expertenwissen fehlt es offensichtlich an Hand und Fuß. Zumindest ein Finger bleibt erstmal auf der Tunnelstrecke.

Als dann die Lady Munson den falschen Musikanten auf die Schliche kommt, muss sie beseitigt werden. Doch die alte Dame erweist sich als erstaunlich zäh. Die Geschichte mit depperten Dieben ist nicht neu: George Clooney produzierte beispielsweise die „Safecrackers” bei denen nicht nur der Raubzug schief ging.

Und vor allem gibt es das wunderbare Original der „Ladykillers” aus dem Jahre 1955 mit Alec Guinness in der Hauptrolle. Doch seit „Fargo” haben Joel und Ethan Coen praktisch eine Lizenz auf den langsam denkenden Langfinger, der hier wieder zur Höchstform aufläuft.

Gleichzeitig ist „Ladykillers” eine tiefe ästhetische (und musikalische) Verehrung für den Süden, mit den gleichen stilisierten Aufnahmen wie in „Fargo” und „O Brother, where art thou?”. Was fehlt, ist das transzendentale Moment von ernsteren Filmen wie „The Man who wasnt there” mit Billy Bob Thornton.

Doch mit Kategorien wie Komödie oder Tragödie kann man den Coens nicht beikommen, ihre Filme sind immer vor allem Coen-Filme. Die jeweiligen Stars - Tom Hanks, Thornton, George Clooney - sieht man in einem ganz anderen Licht, das ihnen immer schmeichelt.

Tom Hanks darf so als Professor Door brillieren: mit penetrant röchelndem Lachen, völlig überdrehter Wortdrechslerei und einer panischen Angst vor der Polizei, die ihn schon mal zur Teestunde mit Tasse unters Bett zwingt. Hanks spielt sein komödiantisches Talent aus, und Cannes liebt ihn dafür umso mehr.