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Aachen: Gute Bilanz: Museumsdirektor Schneider blickt zurück

Aachen : Gute Bilanz: Museumsdirektor Schneider blickt zurück

„Ab sofort ist alles Abschied, was ich auch tue”, sagt Professor Dr. Ulrich Schneider ein wenig wehmütig, aber natürlich ist er auch glücklich über den Erfolg seiner inzwischen zehnten Bewerbung.

Ab Mai wird der Noch-Direktor der Museen der Stadt Aachen das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main übernehmen. Bereits am Dienstag wird er dort erste Gespräche führen. Rund 200 große und kleine Ausstellungen gab es unter Schneider Regie seit er 1992 das Amt übernahm.

Eine zufrieden stellende Bilanz - und für sämtliche Publikationen ist der Tisch in der Museumsbibliothek zu klein. „Es war so, wie ich es mir erhofft hatte”, sagt Schneider, der ein bisschen wehmütig diese „Leistungsschau” überblickt, immer wieder etwas herausgreift, sich erinnert.

Zum Beispiel an Henri Nannen oder die Japan-Reise, das Christo-Projekt „Reichstag”. Gehört Wechsel zu seiner Lebensplanung? „Beruflich schon, persönlich wird eine Planung meist über den Haufen geworfen.”

Museumsanbau (1994) und Restaurierung fielen in diese Zeit. „Ich war schon in Nürnberg verantwortlich für den Erweiterungsbau. Da habe ich unendlich gelernt. Ich konnte mir jeden Museumsneubau der 80er Jahre auf der ganzen Welt ansehen.”

Eine Annäherung der besonderen Art geschah bei dem japanischen Künstler Toyo Ito. „Ein Großarchitekt, der zunächst gar nicht wusste, was ich will”, erinnert er sich. „Ich denke, das größte Kompliment seinerseits war, als er zu mir sagte: ,Darf ich ihnen einmal mein Auto zeigen?, natürlich ein Porsche.” Das Schönste der Geschenke zu Schneiders 50. Geburtstag war ein Exklusiv-Tag mit Toyo Ito auf der Baustelle der „Mediatheque” in Sendai.

Hat Aachen ihn verändert? „Gelassener bin ich nicht geworden, den Spaß an der Kunst habe ich behalten. Man sieht manches anders, wenn man Vater wird.” Erinnerung an Mäzen Peter Ludwig werden ihn begleiten. „Es war nicht immer ohne Reibung”, schmunzelt Schneider.

Und Frankfurt? „Dieses Haus hat sehr viel mehr haptische Aspekte, man muss mehr anfassen, die schöne Form, die für den Gebrauch gedacht ist.” Die Sammlung in Frankfurt sei zurzeit „nicht sehr glanzvoll präsentiert”.

Was ihn zudem stört: In der letzten Ausstellungsübersicht der Zeitschrift „Art” kam das Haus nicht vor. „Das muss sich ändern, die Objekte brauchen Glamour.” Nicht nur das: Der konventionelle Spielplatz dort soll einem Ort weichen, der schon Kinder spielerisch auf die „schöne Form” hinlenkt. Pläne gibt es schon genug. Seine Studenten an der RWTH lässt er nicht im Stich. Gleichzeitig möchte Schneider „Angewandte Kunst” an der Uni Frankfurt etablieren.

In Aachen wird zunächst sein Sessel für zunächst ein Jahr nicht besetzt. Abschied mit jedermann wird am 4. April im Alten Kurhaus gefeiert - nach der Eröffnung der großen Schau „Manet-Beckmann-Slevogt”.