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Hamburg: Gunter Sachs: Ex-Playboy als Fotograf und Kunstsammler

Hamburg : Gunter Sachs: Ex-Playboy als Fotograf und Kunstsammler

Sein Name stand Jahrzehnte lang für Playboy und Jet-Set. Doch der Multimillionär Gunter Sachs hat weitaus mehr zu bieten als einen schillernden Lebenswandel mit Aufsehen erregenden Partys und schönen Frauen.

Der heute 70-Jährige war und ist auch ein anspruchsvoller Fotograf, ein mit Preisen bedachter Dokumentarfilmer, ein erfolgreicher Unternehmer und ein kundiger Kunstsammler.

Von diesem Freitag an dokumentiert eine Ausstellung (bis 21. September) im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe das Werk und das Leben des einstigen Lieblings der Regenbogenpresse.

Zur Eröffnung am Donnerstag reist Gunter Sachs mit Familie an, auf der Gästeliste stehen internationale Prominente wie das Model Claudia Schiffer.

Erstmals ist in der Schau als Nachbau für jedermann die von Pop-Art- und Nouveau-Realisme-Künstlern gestaltete ehemalige Sachs-Wohnung aus dem Turm des Palace-Hotels in St. Moritz zu sehen.

Sachs, damals Präsident des privaten Modern Art Museums München, ließ sich die Wohnung 1968 von damals zum großen Teil noch unbekannten Künstlern aus seinem Freundeskreis bunt und schrill mit dem Esprit der wilden 60er einrichten - vielleicht die einzige Pop-Wohnung aus einem Guss.

Andy Warhol gehörte zu den Gestaltern der mittlerweile legendären Turmwohnung, andere waren Tom Wesselmann, Yves Klein, César, Roy Lichtenstein oder Allan Jones. Warhol gestaltete die Küche mit seinen heute weltberühmten Monroe-Bildern.

Die Unikate sind Millionen wert

Jones entwarf Tisch und Stühle, und Lichtenstein baute dem einstigen Lebemann ein Badezimmer, auf dessen Wanne das Motiv „Leda und der Schwan” prangt. Alles Unikate, die mittlerweile Millionen wert sind. 1991 wurden die Kunstwerke verpackt und eingelagert.

Fotografien aus privaten Archiven zeigen den Fotografen Gunter Sachs bei der Arbeit und dokumentieren zugleich seinen Lebensstil als Paradiesvogel im internationalen Jet-Set der 60er und 70er Jahre.

Darauf ist Sachs, der von 1971 bis 1975 auch in Hamburg eine Galerie betrieb und dort die erste Warhol-Ausstellung in Europa zeigte, auch mit Brigitte Bardot zu sehen. Mit dem französischen Filmstar war Sachs von 1966 bis 1969 verheiratet.

Inzwischen ist Sachs, der einst mit Soraya flirtete und mit den Kennedys feierte, dreifacher Vater und Großvater und seit 34 Jahren in dritter Ehe mit dem schwedischen Ex-Model Mirja Larsson verheiratet.

In die Stiftung seiner Frau für Kinder in Not fließen fast die ganzen Erlöse seiner zahlreichen Bildbände.

Die Ausstellung zeigt frühe Sachs-Fotografien bis hin zu seinem letzten veröffentlichten Bild „Die Farbe blau” aus diesem Jahr. Auftragsarbeiten für Modemagazine wie die „Vogue” sind ebenso dabei wie die Serie „Heldinnen” mit Claudia Schiffer.

Viele seiner Fotos sind malerisch in Szene gesetzt und geben surreal verfremdete Szenerien wider.

Die Schau setzt diese Bilder in Beziehung zu dem Kunstsammler Sachs, indem sie die Fotografien mit Werken von Salavador Dali oder Giorgio de Chirico aus der privaten Sachs-Kollektion kontrastiert.

Der Erbe der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs lebt seit Jahren zurückgezogen mit seiner Ehefrau Mirja mit Hauptwohnsitz in London.

Seine Passion für die Kunst und die Fotografie entdeckte er während seines Mathematikstudiums in Lausanne. Seit ein paar Jahren hat Sachs noch eine Leidenschaft.

1995 gründete er in der Schweiz ein Institut, das einen möglichen Zusammenhang zwischen Sternzeichen und dem Verhalten der Menschen statistisch untersuchen soll.