Aachen: Großes Finale auch für Justus Thorau

Aachen : Großes Finale auch für Justus Thorau

Beim martialischen Finale von Schostakowitschs 5. Sinfonie haut das Sinfonieorchester Aachen noch mal alles raus, was in ihm steckt. Auf der vollen Bühne des Eurogress überbieten sich die üppig bestückte Blechblas-Fraktion und die mit etlichen Gästen verstärkten Streicher gegenseitig.

Zwei Harfen, die als Schlagwerk eingesetzten Klavier und Celesta, Pauken, kleine, große Trommel verleihen dem Triumphmarsch schauerlichen Drive.

Mitten im Applaus des Publikums, das wegen der gleichzeitigen WM-Blamage Deutschlands arg lückenhaft dasitzt, steht Justus Thorau und lässt sich feiern. Der Kapellmeister, der in dieser Spielzeit zum Aachener Interims-GMD aufgestiegen und demnächst wieder als Kapellmeister in Saarbrücken arbeiten wird, hat das achte und letzte Sinfoniekonzert „seiner“ Spielzeit sehr anständig zu Ende gebracht.

Das Programm nimmt die Umbrüche ins Visier, die die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts so spannend machen. Und sagt damit vielleicht auch etwas über seine und unsere Zeiten.

Nach dem Konzert würdigen Kulturdezernentin Susanne Schwier und Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck den Dirigenten. Während Schwier sich für Thoraus Engagement und Professionalität bedankt, zeigt sich Schmitz-Aufterbeck regelrecht gerührt von nahenden Abschied.

Thorau bleibt sich auch im letzten Sinfoniekonzert der Spielzeit treu. Sein sachlicher Dirigierstil ruft die Ergebnisse der Probenarbeit ab, ohne den kreativen Augenblick des Konzerts allzu sehr überzustrapazieren. Thorau musiziert mustergültig, nicht genial. Und das Sinfonieorchester Aachen folgt ihm gern. So gerät auch die hierzulande unbekannte Sinfonische Dichtung „In den Stunden des Neumonds“ von Nikolai Roslawez zu einem delikaten Hörerlebnis. Die Musik schwingt sich immer wieder zu dramatischen Höhepunkten auf, spart nicht mit Harfentupfern und Flötengegirre, bevor sie nach großem Chaos ein plötzliches Ende nimmt. Naturschilderungen und die Verwerfungen stürmischer Zeiten finden Einzug in dieses interessante Werk.

Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert ist dagegen eines der Schwergewichte des Repertoires. Die Nähe zum Film schimmert auch aus dem Violinkonzert hervor. Aber die Qualität der Komposition ist ganz außerordentlich.

Mit Liza Ferschtman ist eine ganz ausgezeichnete Geigerin im Eurogress zu Gast. Ihr Ton trägt den Schmelz des Werks in den hintersten Winkel des Saals, ihre Musikalität lässt die vielen Facetten des Soloparts plastisch hervortreten. Technisch ist das alles sowieso untadelig. Ganz großes Kino, dem die Solistin ein sehr zartes, fast tänzerisches Bach-Andante zugibt. Ein schöner, ein bemerkenswerter Abschluss für eine ebensolche Thorau-Spielzeit.

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