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Großer Bahnhof für die Perle vom Revier

Großer Bahnhof für die Perle vom Revier

Alsdorf/Aachen (an-o) - Das Bergbaumuseum Grube Anna II hat große Pläne: In Zukunft soll das Museum einen eigenen Bahnhof bekommen - und zwar an der Stelle, wo sich früher der Zechenbahnhof von Anna befand.

"Die Eisenbahn war die zentrale Bedingung für den wirtschaftlichen Erfolg der Zechen", sagt Dieter Diesinger vom Bergbaumuseum. Deswegen soll an der still gelegten Strecke Herzogenrath - Alsdorf - Stolberg ein Haltepunkt entstehen. Von dort aus könnte auch die alte Werkslok "Anna 8" mit Sonderzügen fahren.

Das ist aber alles noch Zukunftsmusik. Das Museum wird derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Anna II zwischen Alsdorf und Busch aufgebaut. Das Fördermaschinenhaus, das Belegschaftsgebäude und die alte Schmiede werden für fünf Millionen Euro restauriert. Und eben der Bahnhof. Die alten Gleise des Grubenbahnhofs liegen noch, dort rosten derzeit die vier Loks und die 30 Waggons des Vereins vor sich hin. Wie wichtig der Bahnhof für Anna, die Perle vom Revier, war, geht schon aus der schieren Größe hervor. Wer heute durch den Anna-Park schlendert, gewinnt einen Eindruck davon.

Im Jahr 1863 hatte der mächtige Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) die Grube Anna gekauft. Damit rückte auch der Bau von neuen Eisenbahnlinien näher. In den Vierzigern war die Strecke Aachen - Köln gebaut worden, bis 1852 kam die Verbindung von Aachen nach Mönchengladbach (Bergisch-Märkische Eisenbahn, BME) hinzu. Und dann kam - nichts, jedenfalls für fast 20 Jahre. Dabei gab es "zwischen" den beiden Linien viele Zechen, deren Betreiber händeringend auf einen Gleisanschluss warteten, etwa in Würselen, Alsdorf oder Mariadorf.

Schließlich war es die Rheinische Eisenbahn, die auf Druck des EBV von Stolberg aus eine Strecke nach Alsdorf baute. Damit luchste man der BME einen guten Kunden ab, denn bis dahin verbrachte der EBV die Kohlen von Alsdorf per Pferdefuhrwerk nach Herzogenrath, um sie dort auf die Bahn zu verladen. Die neue Linie wurde am 29. Dezember 1870 in Betrieb genommen. 1890 wurde dann die Verbindung bis Herzogenrath gebaut. Der Weg führte durch Merkstein, wo der EBV im Jahr 1913 die Grube Adolf in Betrieb nahm. Dazwischen lag noch die Zeche Nordstern des Bergbaupioniers Honigmann, die beide einen eigenen Grubenbahnhof hatten.

Parallel zu der beschriebenen Strecke baute der EBV übrigens 1930 noch eine zweite Linie. Dort befindet sich heute zwischen Merkstein und Busch ein Radweg, der in Merkstein in der Nähe des Bahnübergangs von der Geilenkirchener Straße abgeht. Der Grund für den Bau der separaten Strecke war vermutlich, so Dieter Diesinger, dass der EBV die Kosten für den Transport der Kohle von der Zeche Adolf in Merkstein bis Alsdorf sparen wollte. Allerdings querte die Linie die Verbindungsbahn zur Baesweiler Zeche Carl-Alexander, so dass für viel Geld eine gewaltige Stahlbrücke gebaut werden musste - schließlich gehörte Carl-Alexander damals noch nicht zum EBV-Imperium.

Im Jahr 1926 fuhren auf der Strecke also die Züge mit der Kohle aus den Alsdorfer Zechen Anna 1 und 2, von Nordstern, Carl Alexander, Adolf und Maria (Mariadorf). Wieviel Güterverkehr anfiel, belegen folgende Zahlen: Im Geschäftsjahr 1926/27 förderten allein die Gruben des EBV 3,5 Millionen Tonnen Kohle, hinzu kamen 814.000 Tonnen Koks und 176.000 Tonnen Briketts.

Mit dem Niedergang des Reviers war auch das vorläufige Ende der Strecke Stolberg - Alsdorf - Herzogenrath gekommen. Der Personenverkehr wurde zum 31. Dezember 1984 eingestellt, der Gesamtverkehr zum 22. Dezember 1998. Frühestens Ende 2003, so die Einschätzung des Aachener Verkehrsverbundes, sollen auf der Strecke die Züge der Euregiobahn fahren. Dann wird vielleicht auch das Bergbaumuseum Grube Anna II seinen Haltepunkt bekommen, um die Zechen- und Bahngeschichte des Reviers wachzuhalten.