Aachen: Großer Bahnhof für den Wegbereiter des Kunstmarkts

Aachen : Großer Bahnhof für den Wegbereiter des Kunstmarkts

Nicht weit von nichts — so lässt sich die Ausgangslage für die aktuelle Wechselausstellung im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum beschreiben. Noch vor rund einem Jahr war Barthold Suermondt (1818-1887), Namenspatron des renommierten Hauses an der Wilhelmstraße und — mittlerweile nachweislich — ein ausgemachter Kunsttitan des 19. Jahrhunderts, ein echtes Mysterium.

„Wir kannten seine Sammlung und ihren Status, aber über ihn wussten wir fast nichts“, sagt Museumsleiter Peter van den Brink kurz vor der Eröffnung der Ausstellung „Gestatten, Suermondt! — Sammler, Kenner, Kunstmäzen“. Mittwoch um 16 Uhr wird die Schau mit 60 Gemälden und 22 Zeichnungen der ehemaligen Suermondtschen Sammlung eröffnet. Dank akribischer Aachener Provenienzforschung ist mittlerweile viel mehr über den Unternehmer und Industriellen mit Kunstverstand bekannt, der von Aachen aus seine Sammlung aufbaute.

So umfasst der reichhaltige Katalog, der ebenfalls ab Mittwoch erhältlich ist, neben einem detaillierten Werkverzeichnis auch mehrere hintergründige Essays, die sowohl in Eigenarbeit der Aachener Verantwortlichen als auch von Experten aus Berlin und den Niederlanden verfasst wurden. „Immer wieder begegnet uns die bewegte Lebensgeschichte Suermondts, seine europaweiten Kunst-Aktivitäten und seine Rolle im Verhältnis der großen Industriellenfamilien im Dreiländereck“, sagt Wibke Birth, wissenschaftliche Volontärin im Museum und Kuratorin der Ausstellung.

Wirth ist neben van den Brink dafür verantwortlich, dass zum 200. Geburtstag des Sammlers und Kunstmäzens Werke aus der aufgespaltenen Sammlung für rund drei Monate wieder in Aachen vereint sind. 35 der gezeigten Gemälde stammen aus den Galerien der Staatlichen Museen zu Berlin, 25 aus der Kollektion des Aachener Hauses. Neben Namen wie Vermeer, Holbein, Hals und Rubens empfängt den Besucher gleich im ersten Raum der Ausstellung ein stattlicher Rembrandt. Der „Alte Mann mit Bart“ hatte noch zu Lebzeiten Suermondts den Weg nach Berlin gefunden, nachdem sich der Sammler von einem beträchtlichen Teil seiner Kollektion getrennt hatte — aus finanziellen Erwägungen, wie van den Brink und Wirth herausfanden.

Kaufen und verkaufen, abwägen und einschätzen, „so hat sich Suermondt als Wegbereiter des modernen Kunstmarkts hervorgetan“, ist van den Brink überzeugt. „Vieles von dem, was heute selbstverständlich ist, hat er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seinen Beratern vorgemacht.“

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