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Heerlen: Große Variation an Auftritten beim Heerlener Festival Cultura Nova

Heerlen : Große Variation an Auftritten beim Heerlener Festival Cultura Nova

Mit mächtigen Schwingen steigen Leonardo da Vincis Visionen in den Nachthimmel auf, bei Carl Orffs „Carmina Burana“ kennt glühende Leidenschaft keine Grenzen und der Ausflug zum Montmartre der 30er Jahre ist erotisch-bittersüß.Mit über 250 Veranstaltungen und rund 40 Gruppen aus aller Welt öffnet das Heerlener Festival Cultura Nova vom Freitag, 24. August, bis Sonntag, 2. September, eine explosiv-poetische Wundertüte mit Aktionen in Heerlen und Umgebung — vielfach bei freiem Eintritt.

Dabei ist die Mischung aus künstlerisch-akrobatischer Performance, Musik, Film und Aktionen für Kinder auch in diesem Jahr bunt und bedeutsam. „Diesmal steht der Gedanke, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen, wie sich die Welt und die Region verändert haben und wie Inklusion funktionieren kann, im Vordergrund“, sagt Fiedel van der Hijden, der zusammen mit Rocco Malherbe für Programm und Organisation der inzwischen 28. Ausgabe dieser Veranstaltungsreihe sorgt.

Spektakuläres zum Auftakt am 24. August in Heerlen: Die italienische Gruppe Kitonb präsentiert das Programm „Carillon — the flight of time“. Die Einstürzenden Neubauten beschallen das Theater Heerlen am 26. August.
Spektakuläres zum Auftakt am 24. August in Heerlen: Die italienische Gruppe Kitonb präsentiert das Programm „Carillon — the flight of time“. Die Einstürzenden Neubauten beschallen das Theater Heerlen am 26. August. Foto: Raniero Corbelletti

„Überall geschieht Transformation, ob nun in den Städten oder in den Herzen“, betont van der Hijden. Und so hat man sich auch entschlossen, bei der Auftaktveranstaltung am 24. August (ab 21.30 Uhr) auf dem Burgemeester van Grunsvenplein die italienische Gruppe Kitonb mit „Carillon — the flight of time“ zu zeigen.

Der Wandel der Jahreszeiten bietet dabei den roten Faden einer Geschichte, bei der sich das Ensemble aus Tänzern und Akrobaten in Farbwolken hoch über den Köpfen der Zuschauer bewegt — stets bereit zu atemberaubenden Sprüngen und Flügen. Der Soundtrack bewegt sich zwischen elektronischer Musik und feierlich gesungenen Mantras.

„In 40 Metern Höhe wird der Kran einen Gitterturm tragen, an dem die Akteure sich bewegen“, erzählt van der Hijden. „Endlich haben wir es geschafft, dass unsere Sicherheitsbehörden einen Kran zwischen den Häusern erlauben“, freut sich der Organisator. „Bisher war das bei Cultura Nova nicht möglich.“

Ein opulentes Spektakel verspricht die Produktion von Carl Orffs „Carmina Burana“ durch die spanische Truppe La Fura dels Baus in Zusammenarbeit mit der Philharmonie Zuid-Nederland und dem Theater Aachen. „Der Theaterchor der Opera Zuid wird zusammen mit dem Sinfonischen Chor Aachen agieren“, berichtet van der Hijden.

Der Ort der Aufführung ist gleichfalls abenteuerlich: die Sandgrube Beaujean in der Heerlerheide erlaubt alles, was La Fura dels Baus bei den „Carmina Burana“ zeigen will: Wasserfälle, Feuer und einen mächtigen Mond, unter dem der 90-köpfige Chor, die Solisten, die Tänzer und das Orchester auf einer runden Bühne am Schicksalsrad drehen, sich Frauen räkeln und finstere Helden agieren. „So etwas muss man Open Air machen, das sprengt einen Theaterraum“, betont der Organisator.

„Paukenschläge“ als Merkmal

Ziel des Festivals ist es, große „Paukenschläge“ mit Poesie und düsteren Szenerien mit kleinen feinen Ideen zu verbinden. So wechseln sich im Spiegelzelt (Festivalplein) Musikgruppen aus sehr unterschiedlichen Stilrichtungen ab. „Sie alle haben sich schon bewährt, brauchen aber mehr Popularität“, erklärt van der Hijden.

Mit dem Theater Titanick und den Einstürzenden Neubauten sind zwei Gruppen aus Deutschland im Programm. „Heimat als flüchtiger Ort“ ist die Kernidee, wenn das Titanick-Ensemble die Geschichte von Alice im Wunderland in abenteuerlichen Bildern erzählt.

Ihre Produktion „Lament“ bringen die Einstürzenden Neubauten mit — eine nachdenkliche Produktion über das postindustrielle Europa, die Schließung der Bergwerke und die damit verbundene Not und Tristesse — ein Zustand, der auch in die Region Heerlen passt. Eine Kooperation gibt es mit dem nachbarschaftlichen Kulturfestival Across the Borders, das mit fünf Produktionen in Aachen im Programm des Festivals auftaucht.

Die Verschmelzung künstlerischer Ausdrucksformen zeigt in „belebten Bildern“ die Gruppe Recirquel: „Paris de Nuit“ ist eine Hommage an den ungarischen Fotografen Gyula Halász (1899-1984), der sich „Brassaï“ nannte und das rauschhafte Pariser Nachtleben der 30er Jahre in seinen Fotos festgehalten hat. „Eine Mischung aus Glamour und Elend, sehr aufregend“, sagt van der Hijden.

Als guter alter Bekannter der Cultura-Nova-Fans wird übrigens der riesige aufgeblasene Godzilla der Plasticiens Volants hier und da im Stadtbild schwankend aufragen, es gibt neue Street Art sowie „Klein Berlijn“ als Szene-Treff auf dem Schelmenhofje — ein Stück Berlin mit Berliner Spezialitäten in Heerlen als Beispiel für ein gutes und inspirierendes Miteinander in einer grenznahen Stadt.