Aachen: Grenzlandtheater „bleibt, wie es ist, nur anders!”

Aachen: Grenzlandtheater „bleibt, wie es ist, nur anders!”

„Es bleibt, wie es ist: nur anders!” Mit diesem Slogan geht der neue Intendant des Aachener Grenzlandtheaters, Uwe Brandt, ab 1. August in seine erste Spielzeit. In der Tat: Das Programm für 2009/2010, das der 43-Jährige am Dienstag vorstellte, verspricht jedenfalls Kontinuität.

Die Mischung der acht Stücke aus Boulevard, Klassik, Musical und zeitgenössischem Schauspiel liegt ganz auf der erprobten Linie seiner beiden Vorgänger Karl-Heinz Walther und Manfred Langner und wird der Erfahrung nach gewiss dem Geschmack des Grenzlandtheater-Publikums gefallen.

Allein die frankophile Neigung Langners, was die Auswahl aktueller Autoren angeht, ist offensichtlich perdu - Brandt scheint eher der „Hollandaise” näherzustehen.

Wenn auch die Vita des studierten Sozialpädagogen mit seiner erstaunlichen Erfahrung als Organisator von Fußball-Aufstiegsfesten, Reitturnier-Eröffnungen, Karnevalssitzungen, Stadtteilprojekten und als Fastelovvend-Sänger der „Vier Amigos” nicht unbedingt einem gewöhnlichen beruflichen Stammbaum eines Sohnes der Thalia entspricht - Präsentation wie Pogramm verraten den Profi.

Der Slogan-Zusatz „Nur anders” bezieht sich vorerst nur auf den Punkt „Weitere Angebote”: die Idee drei Mal in der Spielzeit Talk-runden zu aktuellen Themen, eine „LiteraTour durchs Grenzland” per Bus und an Adventssamstagen ein besinnliches Familienprogramm anzubieten. „Als Aachener Junge bin ich mir schon bewusst, was es heißt, Intendant des Grenzlandtheaters zu sein”, sagt Brandt mit einem selbstbwussten Blick auf den Spielplan.

Der beginnt mit der klassischen Komödie „Der Diener zweier Herren” von Goldoni, bei der der neue Hausherr gleich seine Visitenkarte als Regisseur abgeben möchte. Das Auswahlkriterium fürs Stück spricht dafür, dass dem karnevalistischen „Tropi-Gardisten” durchaus der Schalk im Nacken sitzt.

Der „neue Diener” den Stadt und Kreis Aachen im Rahmen der Städteregion bekommen werden, erkennt er ebenso als naheliegenden Bezug wie den Bezug des neuen Stadions der Alemannia, das zumindest hart am Rande die Aktualität des zweiten Werks belegt: „Ersatzbank” von Albert Ostermaier. Ein Stück um einen Fußballer, bei dem es freilich um Spielregeln geht, die nicht nur auf dem Rasen gelten, sondern im ganz realen Leben, in dem Scheitern und „Auswechseln” noch sehr viel härter treffen...

Die Freunde spritziger Dialoge des Boulevardtheaters dürften bei der „Kaktusblüte” von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy und Liebschaften in einer Zahnarztpraxis auf ihre Kosten kommen. Das Musical der Saison ist „Der kleine Horrorladen”, Broadway-erprobt und in Deutschland das meistgespielte Musical ohne eigene Spielstätte. Dramatische Liebe zwischen Leidenschaft und Verzweiflung sind garantiert.

Die Parabel „Zweifel” von John Patrick Shanley war gerade als Filmversion „Die GLaubensfrage” im Kino zu sehen. Im Grenzlandtheater stellen sich die Fragen von Missbrauch, Misstrauen und blides Vertrauen dagegen buchstäblich hautnah. Der Klassik wird Respekt gezollt mit Schillers „Maria Stuart” - „in Zeiten wie diesen”, sagt Uwe Brandt, „ganz besonders aktuell” mit Themen wie politischer Verantwortung und Machtmissbrauch.

Aus den Niederlanden kommt das Stück „Alte Freunde” der Maastrichter Autorin Maria Goos. Die gefeierte Komödie dreht sich um vier Freunde, deren Leben in eine schwere Krise gerät und wie man zwischen Ehrgeiz und Selbstbetrug im Grunde hilflos probiert, damit fertigzuwerden.

Der Region ganz nah liegt schließlich die Bühnenfassung von „Mondscheintarif” des Bestsellerromanns von Ildikó von Kürthy, einem Aachener „Gewächs”, das zuerst beim „Stern” Karriere gemacht hat.

Eine weitere Stufe auf ihrer Karriereleiter erklimmt gerade auch Anja Junski, die Dramaturgin an der Seite von Uwe Brandt. Manfred Langner hat die langjährige Grenzland-Dramaturgin Martina Kullmann an die Schauspielbühnen Stuttgart mitgenommen, und „rein zufällig” hat von dort aus nun die junge gebürtige Mecklenburgerin Anja Junski ihren Weg nach Aachen gefunden.

Besondere Ambitionen verbindet Brandt schließlich mit dem Kinder-Êund Jugendtheater. Zunächst wird es als mobile Schultheater-Projektionen zwei neue Premieren geben: „Türkisch Gold” von Tina Müller und „Wir alle für immer zusammen” von Guus Kuijer, einem weiteren Niederländer. Brandts großes Ziel: für das Jugendtheater eine eigene Spielstätte aufbauen.

Kreisdirektor Helmut Etschenberg an Brandts Seite eröffnete bereits die konkrete Perspektive: „In den nächsten zwei, drei Jahren sind wir so weit, das zu realisieren.”

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