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Grenz-Ärger mit dem Abschleppwagen

Grenz-Ärger mit dem Abschleppwagen

Würselen (an-o) - Von Europa hat Thomas Binder (36) die Nase gestrichen voll. Satte 20.000 Euro und jede Menge Ärger hat den Unternehmer mit Wohnsitz in Belgien der Glaube an die europäische Freizügigkeit gekostet. "Von wegen, alles wird besser! Schlimmer ist es geworden", schimpft er.

Dabei wollte der junge Geschäftsmann, der mit Anfang 20 in Würselen einen Autoverleih gründete ("Damals habe ich mit zwei Autos angefangen und bin nebenbei noch Lkw gefahren") nur sein Unternehmen, heute sind es mehr als 100 Autos und 17 Mitarbeiter, um ein zweites Standbein erweitern: Vom Vater übernahm er vor zwei Jahren den Abschleppdienst samt der Genehmigung, für die Autobahnpolizei abzuschleppen.

Wagen für 60.000 Euro

Doch damit begann der Ärger. Als Geschäftsführer seiner GmbH gilt er in Deutschland als Angestellter, in Belgien aber als Unternehmer. Und als solcher darf er den in Deutschland auf seine Firma angemeldeten Abschleppwagen - Kosten 60.000 Euro - nicht mit nach Hause nehmen. "Die Belgier vermuten dann Steuerhinterziehung", so Binder. Aber anders als früher gebe es keine Möglichkeit mehr, etwa durch eine Sonderzahlung eine Ausnahmeregelung zu erwirken. Binder: "Bevor die Doppelbesteuerungsabkommen geändert wurden, habe ich in Belgien 1200 Euro bezahlt und durfte dann ein Jahr lang mit meinem Leihwagen in Belgien fahren. "

Mehrfach wurde er von der Gendarmerie verwarnt. Er müsse den Wagen entweder an der Grenze stehen lassen, forderten die Polizisten, oder in Belgien anmelden. Beides sei unmöglich, erklärte Binder. "Wenn ich den Wagen in Belgien angemeldet hätte, hätte ich die öffentlichen Aufträge in Deutschland verloren", erklärt Binder. Den Wagen an der Grenze stehen lassen, gehe auch nicht: "Ich würde bei einem Notruf viel zu viel Zeit verlieren." Die Auftragslage erlaubte es auch noch nicht, einen Mitarbeiter für die Nachtdienste einzustellen, deshalb übernahm Binder die Rufbereitschaft selbst.

Die Situation spitzte sich zu. Schließlich drohte ihm die Gendarmerie, den Wagen zu beschlagnahmen. Um endlich Rechtssicherheit zu erhalten, wollte er Selbstanzeige erstatten und flog hochkantig raus. Er schaltete einen Anwalt ein, wandte sich an die Kammern hüben und drüben. Nichts half. Entnervt gab er jetzt auf, verkaufte den neuen Abschleppwagen mit 20.000 Euro Verlust. Geblieben ist ihm nur eine Weste, die er bei den Abschlepparbeiten immer trug. Und Verbitterung über die Sonntagsreden von Politikern über das vereinigte Europa.