Grandiose Auftritte beim Monschau-Festival und „Sommermusik Schacht 3“

„Sommermusik Schacht 3“ und Monschau-Festival : Musikliebhaber kommen voll auf ihre Kosten

Grandiose Auftritte, musikalische Vielfalt und ein begeistertes Publikum: Am Wochenende kamen die Musikliebhaber in der Region voll auf ihre Kosten.

Gegensätzlicher hätte das Startwochenende beim 20. Monschau-Festival auf der Burg nicht sein können: Für den Auftakt sorgte mit Startrompeter Till Brönner und Dieter Ilg (Kontrabass) ein unbestrittenes Spitzenduo der deutschen Jazz-Szene, während am Samstagabend Heino, die Ikone der deutschen Volksmusik, sich mal wieder als Stimmungsgarant erwies. Am Sonntagabend bevölkerten mehr als 100 Mitwirkende beim Opern-Klassiker „Carmen“ die Bühne. Auch die insgesamt rund 2500 Zuschauer bei den drei Veranstaltungen am ersten Wochenende schätzen die inzwischen gebotene musikalische Vielfalt beim Festival in der Nordeifel.

Mit ihrem Album „Nightfall“ haben Till Brönner und Dieter Ilg der Jazz-Szene ein edles und ausgereiftes Werk abgeliefert, das auch in der Kleinstbesetzung einen intensiven Klangkosmos erzeugt. Die beiden Musikgenies finden sich kreativ in einem Klangraum zusammen, wo sie mit Originalität, Virtuosität und ein wenig Spiritualität musikalische Grenzen sprengen.

Standards aus der Jazzwelt klingen bei Brönner und Ilg subtil, geistreich und emotional. Ihrer Form der Interpretation von Beatles-Kompositionen oder von Songpoet Leonard Cohen lauschten die Zuhörer mit fast andächtiger Konzentration, gerne folgten sie den Solisten auf ein neues musikalisches Gelände.

Hier warteten Entspannung und ein außergewöhnlicher Genuss auf das Publikum, das sich dem tiefsinnigen musikalischen Dialog der Meister ganz nahe fühlen durfte. Dieter Ilg bearbeitete seinen Kontrabass nach allen Regeln der Kunst, während Till Brönner sein weiches Trompetenspiel über die Dächer der Altstadt in den Nachthimmel schickte. Das Publikum war hingerissen.

...und Heino auf der Burg Monschau. Foto: Peter Stollenwerk

Ganz anders war die emotionale Lage beim Heino-Konzert. Als große Abschieds-Gala hatte der blonde Volkssänger seine derzeit stattfindende Tournee angekündigt, doch bekanntlich will sich der 80-Jährige noch nicht so ganz aufs Altenteil zurückziehen. Auch in Monschau hielt er sich im Zwiegespräch mit Ehefrau Hannelore alle Optionen offen, was das endgültige Ende seiner über 50-jährigem Bühnenpräsenz angeht. Im schwarzen Leder-Outfit und später im roten Jackett sprach Heino zum Publikum als seine „lieben Freunde“, die sich im leichten Nieselregen aber zunächst etwas schwer aus der Reserve locken ließen.

Mit gecoverten deutschen Rocksongs hat er zwar neue Zielgruppen erreicht, aber die treuen Fans wollen viel lieber die Partykracher aus den 1970er Jahren hören, als die manchmal etwas fremdartig klingenden Songs von Rammstein und den Ärzten, wo die Urkraft seiner Stimme auch nur bedingt zur Geltung kommt. Das änderte sich aber gegen Ende des zweistündigen Konzertes, als ein Potpourri seiner größten Schlager die im Publikum verteilten Fangrüppchen von den Sitzen riss. Jetzt war Heino ganz der Alte, und mit der Zugabe „Hoch auf dem gelben Wagen“ verabschiedete er sich aus Monschau. Ehefrau Hannelore wünschte sich unterdessen, dass das Publikum ihren Mann zum Weitermachen auffordert, „sonst habe ich ihn den ganzen Tag zu Hause sitzen“.

Roland Kaiser begeistert das Publikum beim Open Air Festival „Sommermusik Schacht 3“ in Hückelhoven genauso. Foto: Dettmar Fischer

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben – Wenn ihm die schöne Nachbarin gefällt – Und ihm das Schicksal vor der eig‘nen Haustür – Solchen schönen Beine stellt.“ Im Juli 1984 wurden diese Verse auf das Roland Kaiser-Album „Ich fühl mich wohl in meinem Leben“ gepresst, und auch heute noch singt Roland Kaiser diese Zeilen live, die auf ewig im Geschichtsbuch des deutschen Schlagers stehen werden. Am Samstagabend kamen 3500 Kaiser-Fans in den Genuss ihren Roland Kaiser zu erleben beim dreitägigen Open Air Festival „Sommermusik Schacht 3“ in Hückelhoven. Viele Damen waren zu Ehren ihres Idols mit blinkenden Kaiser-Krönchen auf der Frisur erschienen, die echten Kaiser-Fans unter den Herren mit einem schwarzen Filzhut-Imitat.

Spätestens seit Heino die Rockerjacke entdeckt hat, ist es en vogue, dass sich auch Schlagerstars der alten Schule mit jungen Musikern umgeben. Roland Kaiser hatte eine junge, 14-köpfige Begleitband mit auf das ehemalige Zechengelände von Sophia Jacoba gebracht, die die Kaiser-Hits neu aufmöbelten. Ein geradezu rockiger Gitarrist mit langer Mähne machte sich gut im Kontrast zum stilvoll gekleideten Kaiser, der sich für hellblauen Anzug mit goldener Krawatte und Einstecktuch entschieden hatte. Die Fans lieben ihren Roland Kaiser nach wie vor. Und wer „Santa Maria“ auch eine Generation nach der Plattenpremiere so live auf der Bühne präsentier, dass die Konzertbesucher ihm zujubeln, der muss schon was drauf haben.

...wie Gregor Meyle und seine Band. Foto: Dettmar Fischer

Tags zuvor hatte Gregor Meyle mit seiner Band vor gut 1000 Zuhörern die „Sommermusik Schacht 3“ eröffnet. Der Singer-Songwriter hatte ebenfalls nicht am Personal gespart und neun ausgezeichnete Musiker mit nach Hückelhoven gebracht. Die Teilnahme an der TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ und seine eigene Musikshow „Meylensteine“ hatten Gregor Meyle deutschlandweit bekannt gemacht. Klassiker wie „Keine ist wie du“ oder „Niemand“ kamen beim Publikum ebenso gut an, wie die Songs seines neuen Albums „absolut live“.

Die Songs kommen direkt aus dem Leben, mal träumend, mal kritisch, mal melodisch und mal rockig dargeboten. Die Intensität der Songs übertrug sich schnell aufs Publikum. Angelo Kelly schloss das dreitägige Open Air in Hückelhoven ab.

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