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Pulheim: „Goldige” Kunstaktion am Rhein: Pulheim gräbt

Pulheim : „Goldige” Kunstaktion am Rhein: Pulheim gräbt

Echtes Gold lockt: Goldbarren im Wert von 10.000 Euro hat der Berliner Künstler Michael Sailstorfer in der rheinischen Stadt Pulheim vergraben. Die insgesamt 28 Barren in Stückelung zu 10 und 20 Gramm schlummern seit dem Sommer auf einem städtischen Brach-Grundstück, auf dem der 1979 geborene Künstler für seine Aktion „Pulheim gräbt” zusätzlich gelben Senf ausgesät hat.

Seit Donnerstagmittag ist das zeitlich unbefristete Projekt „der Öffentlichkeit überantwortet”, hieß in der Kleinstadt nahe Köln. Schon wenige Stunden später stellten sich erste Goldsucher auf dem blühenden Senf-Feld ein.

„Der Künstler wirft den Stein ins Wasser, was passiert, ist nicht mehr in unserer Gewalt”, sagte die Leiterin der Pulheimer Kulturabteilung, Angelika Schallenberg, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ein knappes Dutzend mit Schaufeln bewaffneter „Kunst-Fans” seien am Nachmittag gleichzeitig zur Suche nach den maximal einen Meter tief vergrabenen Goldbarren angerückt. „Darunter war auch eine ganze Familie.” Ob jemand fündig wird, werde weder der Künstler noch die Stadt registrieren können: „Es wird keiner schreien "Hurra, ich habs"”, meinte die Kunstexpertin. „Wir gehen davon aus, dass die Finder sich still daran freuen.”

Die Arbeiten Sailstorfers, der an der Kunstakademie in München als Meisterschüler bei Olaf Metzel studiert hat und mehrfach im In- und Ausland auf Ausstellungen zu sehen war, „erzählen in absurd- poetischen Bildern von bewegten Körpern, von der Mobilität der Menschen und der Dinge”, interpretiert die rheinische Kommune. Der Künstler selbst meint zu seiner Edelmetall-Aktion: „Es ist immer besser, wenn eine Skulptur nicht ausdrücklich nach Kunst aussieht!” Ihm habe in Pulheim an einem Experiment gelegen, dass eine „Eigendynamik” entwickele. Den Goldrausch wird am Ende eine Broschüre mit vielen Fotos für die Nachwelt dokumentieren.

Die künstlerische Goldsuche auf dem „nicht zu großen” städtischen Grundstück in annähernder Dreieckform ist Teil der vom Land NRW geförderten Pulheimer Reihe „Stadtbild.Intervention”. An ihr hatten in den vergangenen 10 Jahren bereits namhafte Künstler wie Maik und Dirk Löbbert, Lutz Fritsch, Leni Hoffmann oder Andrea Knobloch teilgenommen.

Um einen möglichen Massenandrang von Goldsuchern in der Kleinstadt zu regeln oder gar Streit ums Gold zu schlichten, sei die Polizei „bislang noch nicht” aktiviert. Schallenberg: „Wir hoffen, dass es soweit nicht kommt.” Mit einer hochkarätigen Kunstreihe in der ehemaligen Synagoge im Ortsteil Stommeln ist die Stadt Pulheim zusätzlich seit Jahren in der internationalen Kunstszene ein fester Begriff.