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Würselen: Götz Alsmann hat Fernweh

Würselen : Götz Alsmann hat Fernweh

Am Anfang will er gar nicht: Auf seiner Tournee von Mülheim über Soest und Plauen nach Würselen heischt Götz Alsmann nach Mitleid.

Der deutsche King des Swing will in ferne Länder, will Exotik, will entlegene Inseln und geheimnisvolle Orient-Erlebnisse. „Aber wir sitzen hier”, ist der Song, mit dem Alsmann auf der Burg Wilhelmstein sein neues Programm „Tabu” eröffnet. „Aber wir sitzen hier, dabei wär ich doch so gern weit von hier”, singt er, und der Regen, der auf die Planen über den Köpfen der Zuschauer prasselt, gibt ihm Recht.

Aber nicht lange - denn Alsmann holt sie allesamt nach Würselen: die Schlangenbeschwörer, die Schamanen, die verschleiert-geheimnisvollen Frauen und die tanzenden Buschmänner seiner Träume. Asien, Afrika, der Orient und ein Hauch von Südsee liegen auf dem Weg, den er besingt, Swing, Mambo, Rumba erfüllen die historische Kulisse der Burg. „Küss mich, tartarisches Mädchen” oder „Kommst du mit auf einen Mokka?” heißen die Songs, die er selbst als Jazz-Schlager bezeichnet.

Selbst verstaubte Songs leben wieder auf

Und tatsächlich sind es teilweise recht verstaubte Songs aus den 50ern und 60ern, die er wieder ausgegraben und mit unvergleichlichem Alsmann-Charme neu aufgelegt hat. Ein etwas irrer Rhythmus und der oft der ironische Unterton machen die alten Songs wieder flott. Alsmann liebt diese Lieder, er haucht ihnen etwas Exotik ein und die Gänsehaut im Nacken der Zuschauer ist programmiert. „Da wo Erotik und Exotik sich die Hand geben, da sind wir zu Hause”, sagt er und singt so alte Schinken wie Heinz Erhardts „Fräulein Mabel” eben auf seine ganz eigene Art.

Zwischendurch erzählt er von dem „kleinen bebrillten Jungen, der immer dort war, wo die anderen Kinder nicht waren”, der immer das Ungewöhnliche mochte und für den der Schulfunk der Höhepunkt des Tages war. Alsmann schwelgt in tragisch-witzigen Erinnerungen, aber nur, um gleich wieder zu seinen exotischen Träumen zurückzukehren. Großartig, wenn er auf seiner kleinen Gitarre spielt, wenn Buschtrommeln und Rasseln den Urwald nach Würselen holen.

Danach ist Szenenwechsel angesagt: Komanchen befinden sich auf dem Kriegspfad, die Zeichensprache der Indianer aus Bad Segeberg wird lebendig. Standing Ovations gibt es für „Alsmann und Band”. Dann ist er ratlos: „Wie verabschiedet man sich an einem solchen Abend vom Publikum?”

Keine Frage, voller Fernweh, mit einem „Abschiedslied” von jemanden, der sich auf die Reise macht.