GMD Christopher Ward sucht das Gespräch

Christopher Ward sucht das Gespräch : Die Angst des Dirigenten und seine Zuversicht

Christopher Ward, der neue Generalmusikdirektor Aachens, sucht das Gespräch: mit seinen Musikern und Sängern, aber auch mit dem Publikum.

Und der Einladung zu einem Publikumsgespräch mit dem in London geborenen Dirigenten und dem Intendanten Michael Schmitz-Aufterbeck folgten so viele Musikfreunde, dass sich der Spiegelsaal des Theaterfoyers bis auf den letzten Platz füllte.

Ward sucht die Nähe. Denn so selbstbewusst der Dirigent seine ersten Aufgaben auch löste, so selbstkritisch reflektiert er sein Wirken. Dennoch scheut er nicht das Risiko. Dazu gehört die stärkere Einbindung zeitgenössischer Musik, wovon man sich bereits im 1. Sinfoniekonzert mit einer großen, schwierigen Komposition des „Composers in Focus“ Jörg Widmann überzeugen konnte.

Eine Aufgabe, die ihn in Angst versetzte. Angst vor der Schwierigkeit des Werks, vor den Reaktionen des Orchesters und des Publikums. Umso erleichterter war er, dass die Ängste zum größten Teil unbegründet waren.

Das stärkt auch seine Hoffnung auf das Gelingen seiner neuen Konzertreihe „Classic Lounge“, in der im ehemaligen Depot an der Talstraße in lässiger Atmosphäre mit Getränken und Moderationen ausschließlich neuere Musik geboten werden soll. Die Reihe startet unter dem Titel „Interstellare Höhenflüge“ am 30. November um 20 Uhr.

Die Fragen des Publikums wiesen eine große Bandbreite auf und ließen Einblicke in das Denken des Musikers zu. Als Vorbilder bewundert er Simon Rattle und Kent Nagano, mit denen er eng zusammengearbeitet hat, aber auch Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan und als oberste Instanz Carlos Kleiber.

Doch wie geht er mit der Tatsache um, dass Aachen über keinen akustisch befriedigenden Konzertsaal verfügt? Hier hob Ward zu einer Lobeshymne auf das fantastische Orchester und die Begeisterungsfähigkeit des Publikums an. Beide hätten es verdient, die Musik unter Bedingungen erleben zu dürfen, die das Potential des Orchesters voll zur Geltung kommen lassen könnten. Schmitz-Aufterbeck erhofft sich von den Umbauplänen des Kurhauses Besserung, wenn auch mit vorsichtiger Skepsis. Das Publikum äußerte sich forscher und bemängelte, dass in der Stadtspitze offenbar nicht jeder bereit sei, Aachen als Musikstadt zu begreifen und entsprechend zu fördern.

(P.Ob.)
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