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Aachen: GMD Bosch stellt sich in Nürnberg vor

Aachen : GMD Bosch stellt sich in Nürnberg vor

Aus Nürnberg kam am Mittwoch eine Nachricht, die das Aachener Musikleben elektrisieren dürfte.

„Für die Nachfolge des scheidenden Nürnberger Generalmusikdirektors (GMD) Phillippe Auguin stellen sich in den kommenden Wochen zwei Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen vor.

Es handele sich um die beiden Generalmusikdirektoren Marcus Bosch (Aachen) und Peter Kuhn (Bielefeld), teilte die Oper am Mittwoch mit.” In Nürnberg ist der GMD-Posten ab der Saison 2005/2006 vakant.

Strebt Bosch nach höheren Zielen? Tatsächlich wird er am Donnerstag an der dortigen Oper ein Probedirigat geben, bestätigte Pressesprecher Michael Kerstan auf Anfrage unserer Zeitung.

„Keine Bewerbung”

Bosch selbst allerdings wies Spekulationen über einen Weggang aus Aachen am Mittwoch zurück. „Es gibt keine Bewerbung”, sagte er. Er sei lediglich der Einladung des Nürnberger Intendanten gefolgt, am Donnerstag die Oper „La Traviata” als Gast zu dirigieren. „Wenn man so eine ehrenvolle Einladung erhält, dann nimmt man sie an, das ist doch klar.”

Im übrigen sei es nicht das erste Mal, dass ihn ein Orchester eingeladen habe, das einen neuen Chef sucht. „Das ist ein ganz normaler Vorgang. Ich habe denen gesagt, dass ich hier einen Vertrag bis 2007 habe. Das haben die zur Kenntnis genommen. Über alles weitere, wenn es denn ein Weiteres gibt, muss man reden, wenn es so weit ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich hier mehr gemocht werde als woanders, dann bleibe ich hier, das ist doch logisch.”

Es mache ihm sehr viel Spaß, im Grenzland zu arbeiten, betonte der 34-Jährige. „Natürlich hat es sich herumgesprochen, dass wir die Zahl der Zuhörer innerhalb eines Jahres um rund 60 Prozent steigern konnten”, so Bosch.

Ebenso allerdings der Umstand, dass Generalintendant Paul Esterhazy Aachen im kommenden Jahr verlasse. Er selbst aber setze große Hoffnungen in die Realisierung der geplanten Konzerthalle in Aachen: „Dieses Projekt ist ein entscheidender Faktor für mich zu bleiben.”

Als „Kompliment” an Bosch und das Aachener Orchester empfindet Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen die Einladung aus dem Frankenland. „Ich freue mich für ihn, ob etwas daraus wird, muss man sehen.”

Dabei erinnert sie daran, dass die Situation ähnlich ausgesehen habe, als Bosch nach Aachen wechselte: „Damals stand er in Saarbrücken noch unter Vertrag. Wir haben ihn dort sehr fair herausgeholt.”

Genauso fair müsste es jetzt im Fall der Fälle zugehen. Isabel Pfeiffer-Poensgen spricht dabei von einer annehmbaren „Übergangslösung”.

Bei der ganzen Geschichte sieht es die Dezernentin als ihre Aufgabe an, die städtischen Interessen zu wahren. „Dabei haben wir mit Herrn Bosch einen Partner, bei dem ich mir keine Sorgen machen muss.” Ansonsten: Aachen sei eben ein Sprungbrett. Und: „Abwarten!”

Die Nürnberger Philharmoniker sind mit 86 Musikern ein so genanntes A-Orchester; pro Saison geben sie neun Symphoniekonzerte; das Staatstheater bringt pro Saison acht Opern mit ihnen auf die Bühne.

Die anderen noch verbliebenen Kandidaten für den GMD-Posten sind Peter Kuhn, GMD in Bielefeld, Lothar Koenigs, häufiger Gast in Hamburg und Linz, sowie Friedrich Haider, Ehemann der Star-Sopranistin Edita Gruberova, regelmäßiger Gastdirigent in Dresden, München und Wien. Koenigs gibt seine Vorstellung am 30. Mai. Zwei andere Namen wurden bislang noch geheimgehalten.

Generalintendant Wulf Konold wird einer „informell” existierenden Findungskommission am Ende den maßgeblichen Vorschlag liefern, erläuterte Pressesprecher Kerstan das weitere Verfahren. Im Juni oder Juli könnte die Entscheidung bereits fallen.