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Hamburg/Köln: Glorreiche Halunken genießen Kult-Status

Hamburg/Köln : Glorreiche Halunken genießen Kult-Status

Schon der Name hat es in sich. Er schmeckt nach blauen Bohnen, er riecht nach Pulverdampf und beschwört unweigerlich Bilder von Prärie, stahlblauen Augen und unrasierten Wangen. In all das hinein mischt sich die Erwartung instrumentaler Wucht. „The Spaghetti Western Orchestra” hält, was sein Name verspricht.

Gegründet wurde es 2001 in Australien von fünf musikalischen Multi-Talenten. Graeme Leak, Patrick Cronin, David Hewitt, Boris Conley und Philip McLeod sind Musiker, Schauspieler, Vokalisten, Stand-Up-Comedians, Klangforscher und Komponisten. Und Fans jener Western, die ab Ende der 60er von italienischen Regisseuren gedreht wurden.

Die einst abfällig gemeinte Bezeichnung „Spaghetti-Western” ist längst zum Gütesiegel geworden, und Filme wie „Für eine Handvoll Dollar”, „Zwei glorreiche Halunken” oder „Spiel´ mir das Lied vom Tod” genießen Kult-Status.

Für ihren sensationellen Erfolg war nicht nur Regisseur Sergio Leone verantwortlich, sondern auch Filmkomponist Ennio Morricone. Seine Soundtracks zu den Italo-Leinwand-Klassikern bringt „The Spaghetti Western Orchestra” auf die Bühne. Was bereits in Australien, Großbritannien und den Niederlanden gefeiert wurde, kann man jetzt auch im Rahmen des Kölner Sommerfestivals erleben.

Die „fünf glorreichen Halunken” aus Australien haben sich die Originalpartituren vorgenommen und interpretieren sie auf ihre eigene, unverwechselbare Weise. Dazu braucht es nicht nur herkömmliche Instrumente wie Tuba, Trompete oder Pauke, sondern auch über 100 ungewöhnliche Utensilien. Genau so selbstverständlich greift „The Spaghetti Western Orchestra” aber auch auf szenische Dialoge, Samples oder eine singende Säge zurück. Die Hommage an Morricones Meisterwerke mischt Nostalgie, Komik und Italo-Klassik zu einer Performance, die Klangwelten erschafft, die alt vertraut und völlig neu zugleich sind.

Bei der Deutschlandpremiere der Show im Hamburger St. Pauli-Theater feierte das Publikum die Musiker, bis der Fußboden wankte. Die leichenblass geschminkten, todernst blickenden Herren nutzten Plastik-Kleiderbügel und Blechdosen, Bierflaschen und Kuhglocken, Gummihandschuhe und selbst Cornflakes, um den Stoff zu bilden, aus dem hier die Western-Träume sind. So imitiert das Knistern der Maisflocken virtuos die schweren Schritte eines Mannes auf dem Kies und das Blasen auf Bierflaschen etwa das Heulen des Windes.

Dazu kombinieren die witzigen Australier ausgeklügelte Lichteffekte und einschlägige Textzitate: „Wenn du diese Kugel hörst, denke daran, dass es die letzte Kugel ist, die du je hören wirst.”

Alle Mitglieder des Orchestras verfügen über einen soliden Hintergrund als Musiker im experimentellen sowie im Jazz- und Klassik-Bereich - was ihrer Show die Substanz verleiht. Seitdem der frankokanadische, international wirkende DJ und Designer Denis Blais als Regisseur verpflichtet wurde, feierte das auch schauspielerisch begabte „Spaghetti Western Orchestra” Festivalerfolge in Melbourne, Edinburgh und Montreux.