1. Kultur

Hambach: Gleitflieger hoffen auf neuen Aufwind

Hambach : Gleitflieger hoffen auf neuen Aufwind

Am Fuß der Sophienhöhe - eine durch den Abbau von Braunkohle im Tagebau Hambach entstandene Abraumhalde und beliebtes Naherholungsgebiet im Kreis Düren - macht sich eine Gruppe von Gleitschirmfliegern zum Bodentraining, einem so genannten Groundhandling, bereit.

Aus großen Rucksäcken packen sie ihre farbenprächtigen Gleitschirme aus, Protektoren und Helme werden angelegt, und los geht´s! Die Flieger trainieren das Aufstellen der Schirme im Wind und die Kontrolle über die Steuerleinen und eignen sich so das notwendige Schirmgefühl an, um sicher zu starten und zu landen.

Bergstarts vom 200 Meter höher gelegenen Oststartplatz in der Nähe von Elsdorf gehören jedoch vorerst der Vergangenheit an, seit die Geländeeigentümerin RWE Power dem Drachen- und Gleitschirmflugverein Ostwindfreunde Anfang dieses Jahres kurzerhand den Pachtvertrag kündigte. Als Grund nannte man eine nicht genehmigte Baumfällaktion, die im November 2005 vom Verein im Rahmen einer Startplatzpflege vorgenommen worden sei.

Seitdem kämpfen die 200 Mitglieder um den Erhalt des Fluggeländes. „Die Sophienhöhe war für uns ein ideales Trainingsgelände, leicht erreichbar, mit Potenzial für lange Flüge im Aufwindband”, beschreibt Christian Hofmann, Vorsitzender des Vereins, die Vorzüge des Gebiets. „Die Anhöhe ist die einzige Möglichkeit im Raum Aachen, Köln und Düsseldorf, Bergstarts durchzuführen. Auch sind die Windbedingungen nicht mit anderen Gebieten zu vergleichen.”

„Wir sind bereit für den angerichteten Schaden aufzukommen, sei es finanziell oder durch Aufforstung”, so Hofmann. Vor drei Jahren fand bereits eine ähnliche Aufräumaktion des Startplatzes statt, unterstützt von einem Forstmitarbeiter der RWE Power. Dies sei, so bedauern der Gleitschirmflieger, bei der jüngsten Aktion trotz vorheriger Ankündigung nicht der Fall gewesen. „Wir haben uns immer um ein offenes Verhältnis bemüht und möchten natürlich alles dafür tun, dass es wieder zu einem ordentlichen Flugbetrieb kommt.”

Die Forstbehörden, die den Schaden entdeckten, verweisen auf die Aufforstungsvereinbarungen, die bereits in den 70er Jahren mit der RWE Power getroffen wurden und den 1996 mit den Ostwindfreunden geschlossenen Pachtvertrag. Der gestatte eine Nutzung des Geländes nur solange der vorhandene Aufwuchs nicht gefährdet sei.

„Es war von vorneherein klar, dass der Startplatz aufgegeben werden muss, sobald die Baumbestände zu hoch sind und es somit technisch unmöglich ist dort zu fliegen. Dieser Zeitpunkt ist jetzt erreicht”, erklärt Robert Jansen, Leiter des Forstamtes Eschweiler. „Die Rekultivierung der Sophienhöhe hat Vorrang, da das Gebiet als Ersatz für den Hambacher Forst gedacht ist.”

RWE Power ist nach Angaben seines Sprechers Werner Guder „prinzipiell nicht mehr gegen eine Nutzung der Sophienhöhe, solange sich die Ostwindfreunde mit dem Forstamt einigen können”. „Fakt ist, Bäume wachsen, und irgendwann wird es gefährlich für die Flieger”, so Guder. „Wir suchen gemeinsam nach langfristig verträglichen Lösungen, die auch dem Landschaftsschutz und der Sicherheit der Flieger gerecht werden.” Momentan hält man auch Ausschau nach Ausweichplätzen, an denen etwa eine Schleppstrecke für Gleitschirmflieger eingerichtet werden könnte.

Gleichzeitig ist eine neue Verordnung über „Landschaftsschutzgebiete im nördlichen Teil des Kreises Düren und kreisübergreifender Indeflur” in Arbeit. Mit der Unterstützung der zuständigen Landräte hoffen die Ostwindfreunde auf Regelungen, die ihnen auch in Zukunft das Starten und Landen mit Gleitfluggeräten erlauben. „Andere Halden in Nordrhein-Westfalen werden zum Teil mit EU-Geldern rekultiviert und bieten attraktive Treffpunkte für Trendsportler und Erholungssuchende”, gibt Vorsitzender Hofmann zu bedenken.

„Wir sind ein umweltfreundlicher Verein, und ich bin davon überzeugt, dass man mit gutem Willen eine Lösung findet, die für alle Seiten akzeptabel ist”, bringt das älteste Mitglied der Ostwindfreunde, der 75-jährige Karl-Hans Verbeet aus Köln, die Sache auf den Punkt.