Eschweiler: Gerne auch mit Bier: Rocko Schamoni im Eschweiler Talbahnhof

Eschweiler : Gerne auch mit Bier: Rocko Schamoni im Eschweiler Talbahnhof

„Jeder Mensch besitzt seine eigene, individuelle Form der Dummheit.“ Sagt Rocko Schamoni. Daher der Arbeitstitel seines bislang unveröffentlichten Buches, aus dem er im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Aachen im Eschweiler Talbahnhof liest: „Dummheit als Weg“.

Neben Anekdoten bietet „Die große Rocko Schamoni Schau“ erstklassige musikalische Unterhaltung zwischen Schlager, Swing und „German Reggae“.

Schamoni war schon vieles: Punk in Schleswig-Holstein, Töpferlehrling, Punk im Umfeld der Goldenen Zitronen. Kunststudent, Schlagersänger, Clubbesitzer. Teil des Humorkollektivs Studio Braun und der fiktiven 80er-Jahre-Band Fraktus. In Hamburg ist er ein Weltstar. Im Talbahnhof ist man etwas zurückhaltender.

Der Programmtitel trifft, was einen Abend mit Schamoni ausmacht: Der „King“ liest, erzählt und spielt dann mit der „Band“ — Tex Matthias Strzoda als Gitarrist, Schlagzeuger und Sänger in Personalunion — ein paar Songs. Nach der Pause noch einmal der gleiche Ablauf, zwischendrin Zeit für Bier und Zigaretten. Tatsächlich: Es funktioniert: Die knapp 200 Gäste scheinen mit dem Werk des 51-Jährigen vertraut, sind größtenteils aus der gleichen Generation. Spitzen gegen sich selbst kommen beim Publikum ebenso gut an wie Spitzen gegen die Region („Alsdorf? Klingt verzweifelt“).

Schamoni und Strzoda präsentieren größtenteils vom aktuellen Album „Die Vergessenen“ eigene Versionen von in den Hintergrund gerückter Perlen. Vom phlegmatischen „Ist das wieder so e_SSRqne Phase“ der Lassie Singers über das reumütige „Was kostet die Welt?“ der Freiwillige Selbstkontrolle bis zum eigenen „Hit“: Über ein Sample des R&B-Klassikers „Waterfalls“ von TLC legt sich so der „German“ — also der sehr langsame, gemütliche — Reggae-Beat von Schamonis „Der Mond“. Den zu Unrecht mehr oder weniger „Vergessenen“ diese gekonnte und spielfreudige Auferstehung zu verwehren, wäre wahrlich eine große Dummheit.

Mehr von Aachener Nachrichten