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Düsseldorf: Geplante Kohlenmonoxid-Pipeline erhitzt die Gemüter

Düsseldorf : Geplante Kohlenmonoxid-Pipeline erhitzt die Gemüter

Kohlenmonoxid ist ein gefährliches Atemgift. Es riecht nicht, schmeckt nicht und ist farblos. Durch erhöhte Konzentrationen in der Luft - etwa durch Auto-Abgase - können Menschen heimtückisch ersticken.

Für den Bayer-Konzern ist Kohlenmonoxid ein wichtiger Grundbestandteil für die Kunststoff- Produktion. Der Chemiekonzern hat mit dem Bau einer 70 Kilometer langen Pipeline begonnen, durch die das Gas noch in diesem Jahr unterirdisch durch das Rheinland von Dormagen nach Krefeld fließen soll. Die Investition soll sich auf etwas unter 100 Millionen Euro belaufen.

Die Vorbereitungen liefen seit 2004 still und leise. Die öffentlichen Ankündigungen in den Amtsblättern blieben praktisch ohne Beachtung und Widerspruch, die Genehmigungen wurden erteilt. Der Landtag beschloss im März 2006 die Enteignung der notwendigen Flächen. Entlang der Trasse fühlt man sich nun überrumpelt und vor vollendete Tatsachen gestellt. Bürger und Kommunen wehren sich mit Gerichtsklagen, tausenden Protest-Unterschriften und Demonstrationen gegen den Bau. Zu Versammlungen kommen hunderte Anwohner. Kommunalpolitiker springen auf den Protestzug auf.

Der Chemieriese beschwichtigt: Die strengen Sicherheitsauflagen würden sogar übererfüllt. Außerdem nutze das Projekt nicht nur dem Standort und den Arbeitsplätzen, sondern auch der Umwelt: 70.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen und 2000 Lastwagen-Fuhren mit Koks aus China würden künftig eingespart. Das im Chemiewerk Dormagen erzeugte Kohlenmonoxid werde Energie sparend nach Krefeld-Uerdingen umgeleitet, wo der Bedarf an dem Gas aus Kohlenstoff und Sauerstoff (CO) inzwischen die Produktionskapazität übersteigt.

Während die Grünen einen Baustopp fordern, verlangt die SPD mehr Aufklärung von der Landesregierung. An diesem Samstag gehen die Bürger in Hilden bei Düsseldorf auf die Straße - auch dort soll die Pipeline verlegt werden. Argwohn löst auch der Trassenverlauf aus. Auf der anderen Rheinseite wäre die Pipeline 30 Kilometer kürzer und zwei Unterquerungen des Rheins würden vermieden. Im Internet kocht die Gerüchteküche gegen die „Giftgas-Pipeline”. Ein Störfall könne tausende Todesopfer fordern, vermuten Anwohner. Da würden Anwohnerzahlen als hypothetische Opferzahlen verbreitet, heißt es bei Bayer.

Zwei Kommunen haben Gutachten gegen die Pipeline vorgelegt, Bayer konterte am Freitag mit einem Gegengutachten des TÜV, das den Expertisen der Gegner falsche Grundannahmen attestiert und die Sicherheitsvorkehrungen unterstreicht.

Besonders erregt die Gemüter, dass noch kein Gefahrenabwehrplan für einen Störfall existiert. „Der ist noch nicht ganz fertig”, räumt ein Bayer-Sprecher ein, „wird aber fertig sein, bevor das erste Gramm Gas durch die Leitung fließt.” Im übrigen betreibe man eine 17 Kilometer lange Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen Dormagen und Leverkusen „seit Jahren störungsfrei”.

Bayer verweist auf ein einzigartiges Leck-Erkennungssystem. Austretendes Gas werde gleich über dem Rohr aufgefangen und abgesaugt. Außerdem halte das Rohr mit 25 Zentimetern Durchmesser einem Druck von 100 Bar stand, betrieben werde die Pipeline aber nur mit 13,5 Bar, obwohl 40 Bar zugelassen seien. Die Gegner überzeugt das nicht. Mit den Klagen der Kommunen und von Privatleuten will man sich zunächst einmal mit einem einstweiligen Baustopp Zeit verschaffen.