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Aachen: Generationen liegen im Clinch

Aachen : Generationen liegen im Clinch

Knisternde Spannung lag im Saal, bevor die Veranstaltung mit dem Autor Bernd Schroeder überhaupt angefangen hatte.

Vom Studierenden bis zu den über 80-jährigen Gästen: Jeden interessierte das Thema seines Buchs „Mutter & Sohn”.

Zur Lesereihe „Aachen liest”, einer Gemeinschaftsaktion von Buchhandel, Stadt und Zeitungsverlag Aachen, hatten Studierende der Katholische Fachhochschule und ihr Professor Dr. Ulrich Deller eingeladen.

Schon bevor der Schriftsteller im Hörsaal ein Wort gelesen hatte, bestürmten ihn die Zuhörer mit Fragen und Meinungen. Ob die Erzählung autobiographisch sei, fragte eine Studentin.

„Ja, ich habe auch eine Mutter”, so die humorige Antwort. Aber die Mutter im Buch sei nur teiweise die eigene. Vieles komme aus Beobachtungen anderer Familien, manches sei erfunden.

„Was hat Ihre Mutter zu dem Buch gesagt?” „Sie sagte: ,Ich bin nicht diese alte Frau, und ich habe auch nicht so eine Tischdecke (Anm.: wie auf dem Buchtitel)”.

Doch der ernste Inhalt der Erzählung - es geht um einen Konflikt zwischen dem 50-jährigen Sohn und seiner Mutter - bewegte die Gemüter trotz des durchschimmernden Humors außerordentlich.

Eine ältere Dame wollte von Bernd Schroeder wissen, ob das Buch eine Abrechnung mit der Mutter sei. „Ich liebe meine Mutter, aber ich liebe nicht alle Mütter. Ich liebe auch nicht alles an meiner Mutter”. Und, provokant: „Ich glaube nicht an das vierte Gebot”.

Schroeders Lesung aus dem Buch mäßigte die kritische Stimmung im Publikum. Meisterlich gab der Autor den hauptsächlich aus Dialogen bestehenden Stoff wieder. Psychologisch ausgefeilt erschien das Beziehungsgeflecht zwischen den Protagonisten.

Schroeders Stimme blieb unparteiisch und weckte Verständnis für beide Seiten des angespannten Verhältnisses.

Der Mann und seine Mutter: Beide haben Macken, finden nicht so recht zueinander und sind doch miteinander verstrickt. Höchst kontrovers kommentierte in der Diskussion das Publikum die Szenen.

Eine Frau fand den Sohn sehr liebenswürdig, und die Mutter „ist die Hexe”. Die Zuhörer dachten über die Abhängigkeiten zwischen Kindern und Eltern nach. „Man nabelt nie ab, aber man muss die Schnur länger lassen”, meinte eine Frau.

Es wurde über Liebe zwischen den Generationen diskutiert, ob sie eine Wohltat ist oder ob sie knebelt. „Die Mutterliebe hört nie auf. Es ist nur die Frage, wie sie stattfindet”, sagte Schroeder.