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Aachen: Generalintendant Esterhazy wirft das Handtuch

Aachen : Generalintendant Esterhazy wirft das Handtuch

Nun geht er doch: Was Aachens Generalintendant Paul Esterhazy bereits im März 2003 angekündigt und später wieder zurückgenommen hatte - damals als Reaktion auf zunächst geplante Sparbeschlüsse der Stadt - macht er nun überraschend wahr.

Seinen Vertrag will er nicht über die Saison 2004/2005 hinaus verlängern. Die Bekanntgabe überließ er Oberbürgermeister Jürgen Linden, er selbst war am Mittwoch nicht zu einer Stellungnahme zu bewegen.

Indiskretionen aus nicht-öffentlichen Sitzungen, Veröffentlichungen von Details aus den laufenden Verhandlungen bis hin zur Höhe seines künftigen monatlichen Salärs und politische Auseinandersetzungen darüber sollen den Ausschlag gegeben haben, das Handtuch zu werfen.

Vorausgegangen war ein Streit der Ratsfraktionen über einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag, der nach dem Plan von Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen eigentlich bereits vor einer Woche politisch abgesegnet worden sein sollte.

Doch es kam ganz anders: Eine Gehaltserhöhung und vor allem eine „Ausstiegsklausel”, die Esterhazy ein Kündigungsrecht nebst Abfindung für den Fall einräumen sollte, falls die Stadt dem Wirtschaftsplan des Theaters nicht folgen oder etwa eine Sparte schließen würde, stieß auf den Widerstand von SPD, FDP und Grünen.

Bemängelt wurde von dieser Seite auch eine vermeintliche „Eile”, mit der der Vertrag, wie es hieß, „durchgepeitscht” werden sollte.

In den letzten Tagen verfestigte sich die Ablehnungsfront derart, dass überhaupt eine politische Zustimmung zu einer Verlängerung des Vertrags in Frage stand.

Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen wollte am Mittwoch keine persönliche Stellungnahme abgeben, Oberbürgermeister Jürgen Linden sprach sein Bedauern aus.

Ein geteiltes Echo rief Esterhazys Entscheidung in der Politik hervor. CDU-Kulturpolitiker zeigten sich entsetzt über die Vorgänge und kritisierten die Indiskretionen scharf.

Die SPD bekundete, sie hätte dem Vertrag mit leichten Änderungen kommende Woche doch noch zugestimmt. Die Grünen beurteilten die Entscheidung als „folgerichtig”.

Die FDP mutmaßte, Esterhazy habe sich mit übertriebenen Vertragsforderungen selbst seinen geplanten Abgang erleichtern wollen.