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Aachen/Brüssel: Gelächter für „leidenschaftlichen Europäer”

Aachen/Brüssel : Gelächter für „leidenschaftlichen Europäer”

Doch, sie reden immer noch miteinander. Kurz vor Mitternacht klingelt das Handy von Martin Schulz. Am Apparat ist Downing Street 10, Tony Blair persönlich.

Neun Stunden vor seinem Auftritt im Brüsseler Europaparlament will der britische Premierminister vom Chef der sozialistischen Fraktion wissen, was denn nun beim eben beendeten Aachener Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso besprochen worden ist.

Sehr viel Freundliches dürfte Schulz dem künftigen EU-Ratsvorsitzenden während des Telefonats wohl kaum erzählt haben. Denn seit am vergangenen Wochenende der EU-Gipfel an Blairs Starrköpfigkeit beim Streit um Briten-Rabatt und Agrarhilfen gescheitert ist, sind nicht nur Schröder und Schulz auf den Labour-Politiker sauer, stinkesauer.

Die EU steckt tief in der Krise. Dass ausgerechnet der „Quertreiber aus London” die Gemeinschaft ab dem 1. Juli als neuer Vormann aus dem Jammertal herausführen kann, daran haben am Mittwochabend Schulz und sein Kanzler erhebliche Zweifel. Zu sehr sehen sie den Briten in der EU inzwischen isoliert. Dabei ist angesichts der schweren Wasser, durch die das Europa-Schiff seit dem Scheitern der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden treibt, ein Ende des Finanzstreits fast überlebensnotwendig.