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Aachen: Geiselnehmer sollen lange büßen

Aachen : Geiselnehmer sollen lange büßen

Die Gelassenheit von Staatsanwalt Alexander Geimer vermittelte innere Ruhe beim seinem Plädoyer vor dem Aachener Schwurgericht. Doch innerlich brodelte es wahrscheinlich beim Vertreter der Anklage im so genannten „Aachener Anarchistenprozess”.

Denn was der Staatsanwalt am Ende des Mammutverfahrens (Beginn Mitte März) zum Verhalten der vier Mitglieder der Anarcho-Szene Spaniens und Belgiens wie ihres Sympathisantenkreises vorbrachte, beschrieb deren Einstellung zur Gerichtsbarkeit. Sie erinnert frappant an damalige antiautoritäre Aktivitäten des 68er-Politclowns Fritz Teufel, der heute allerdings auf der braunen Seite der Politfarbenlehre zu finden ist.

„Die wiederholten Gesänge zur Begrüßung der Angeklagten”, begann Geimer das Plädoyer, „und der Imbissbuden-ähnliche Betrieb im Gerichtssaal sind der Sache nicht angemessen.” Die in der Anklage erhobenen Vorwürfe, fuhr er fort, „haben sich allerdings in der Hauptverhandlung bestätigt.”

Es gehe schließlich bei dem Vorfall vom 28. Juni 2004 um Geiselnahme, versuchten Mord, um eine chaotisch-anarchische Verfolgungsfahrt quer durch Aachen, bei der ein Vielzahl unbeteiligter Passanten in höchste Lebensgefahr gebracht worden seien. Der Staatsanwalt forderte 15 Jahre Haft für Delgado, 14 Jahre und neun Monate für Gabriel Pompo Da Silva, 13 Monate auf Bewährung für Schwester Begoña sowie sieben Jahre für de Geeter. Die Plädoyers der Verteidiger werden am 21. September gehalten.