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Geilenkirchen: Geilenkirchener Klaviersommer: Pianisten von Weltrang treten im Wohnzimmer auf

Geilenkirchen : Geilenkirchener Klaviersommer: Pianisten von Weltrang treten im Wohnzimmer auf

Man könnte es lesen wie eine Kontaktanzeige: Hochklassige Pianisten sind auf der Suche nach einem Ort mit einem guten Klavier, an dem sie ein besonderes Konzert spielen können. Ungewöhnlich? Ja! Noch nie dagewesen? Nein!

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr wird es auch beim Geilenkirchener Klaviersommer 2018 wieder Hauskonzerte geben. Hochkarätige Pianisten aus der ganzen Welt kommen dann ins heimische Wohnzimmer, um ihre Stücke ganz nah dran am Publikum zu präsentieren. Einzige Voraussetzung ist ein gut funktionierendes Klavier.

„Unsere Hauskonzerte waren bei ihrer Premiere im vergangenen Jahr ein voller Erfolg“, erklärt Florian Koltun, Organisator des Klaviersommers. „Es gab Konzerte, die Familien als Geburtstagspräsent für einen Angehörigen organisiert haben. Es gab Konzerte, zu denen alle Freunde und Verwandten zusammengerufen wurden, und es gab zwei Konzerte in Seniorenheimen.“

Insgesamt 13-mal sind die Teilnehmer des Klaviersommers im privaten Wohnzimmer aufgetreten. Die Zahl der Gäste variierte zwischen 15 und mehr als 50. „Dieses Konzept bietet nicht nur für die Gastgeber eine einmalige Gelegenheit, sondern ist auch für die Künstler ein echter Mehrwert“, sagt Florian Koltun.

Da ist Persönlichkeit gefragt

Den Teilnehmern etwas zu bieten, was sie woanders nicht bekommen, ist eines der wichtigsten Ziele für Florian Koltun und seine Frau Xin Wang, die den Klaviersommer nun schon zum siebten Mal organisieren. Bereits zum sechsten Mal wird der Wettbewerb um den Euregio Piano Award ausgerichtet. „Wir können nicht die Preisgelder zahlen, die bei Wettbewerben in den großen Kulturmetropolen üblich sind“, sagt Koltun, „aber wir bieten den Teilnehmern etwas anderes: Konzerte vor Menschen, die die Kunst wertschätzen. Wir schaffen den Künstlern sowohl durch die Hauskonzerte als auch durch unsere übrigen Veranstaltungen ein Podium, um noch professioneller zu werden. Gerade in einem privaten Kreis müssen die Künstler ihre Persönlichkeit zeigen. Daran kann ein Künstler nur wachsen.“

Jeder Wettbewerb lebt von seinen Teilnehmern. Koltun: „Wir können unser Konzept nur dann langfristig sichern, wenn die Künstler gerne dabei sind und auch wiederkommen. Ein fairer Umgang spielt eine große Rolle. Man muss sich vorstellen, dass die Teilnehmer viel Zeit und Geld investieren, um in Geilenkirchen dabei sein zu können. Da aber der Großteil nicht gewinnen kann, kalkulieren die Künstler damit, zwar Geld zu verlieren, aber Erfahrung zu gewinnen. Und nur durch Konzert-Erfahrung kann ein Pianist noch professioneller werden.“

Die beiden Organisatoren bieten als Preise deshalb auch die Teilnahme an anderen renommierten Wettbewerben weltweit an. „Dies ist natürlich nur durch ein gutes Netzwerk möglich, das wir uns erarbeitet haben.“ Von diesem Konzept könnten sowohl die großen Metropolen als auch die kleinen Kommunen profitieren.

Koltun meint: „In den kleinen Städten wird die Bildungsarbeit geleistet, die den großen Anbietern zugutekommt. Umgekehrt können die Organisatoren von größeren Wettbewerben oder Konzerten ein ordentliches Honorar zahlen, welches den Künstlern die Teilnahme an Wettbewerben wie hier in Geilenkirchen erst möglich macht.“

130 Teilnehmer aus aller Welt

Am Klaviersommer nehmen regelmäßig rund 130 Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Nationen teil. Zum Wettbewerb um den 6. Euregio Piano Award werden wieder rund 90 Teilnehmer erwartet. „Da es aber maximal sieben Bewerber in die Finalrunde schaffen können, müssen wir uns schon recht schnell von einem Großteil der Pianisten verabschieden.“ Alle haben aber ein Programm von 40 Minuten Dauer vorbereitet und können in der Vorrunde nur 15 Minuten zeigen. Die lange und mühevolle Vorbereitung hätte sich für die meisten Musiker also nicht gelohnt.

„Alle sind Pianisten von Weltrang, aber bei dem sehr hohen Niveau des Wettbewerbs ist es einfach schwierig, ins Finale zu kommen. Darum haben die ausgeschiedenen Pianisten ein großes Interesse, ihr volles Programm zu spielen“, meint Koltun. Nebenbei sind bei den Wohnzimmerkonzerten im vergangenen Jahr auch Freundschaften entstanden. Gastgeber und Künstler haben sich am Folgetag noch einmal verabredet, damit die Pianisten die Region und die Menschen besser kennenlernen können.

Koltun: „Dies ist natürlich auch ein Aspekt zur Völkerverständigung. Darum freut es uns auch besonders, wenn die Wohnzimmerkonzerte überall in der Region, von Heinsberg bis in die Eifel, stattfinden. Je weiter der Bereich, desto schöner die Grundidee.“