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Aachen: Geheimnisvoller Klangschleier

Aachen : Geheimnisvoller Klangschleier

Man darf ruhig daran erinnern, dass die Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde e.V. mit ihrem ideellen und finanziellen Einsatz einst die Aachener Kammermusikreihe rettete.

Das Programm des 1. Kammerkonzerts dieser Saison sähe ohne das Engagement der Gesellschaft mit Sicherheit anders aus. Hier kam nämlich endlich einmal der 1965 in Aachen geborene und seitdem in der Region bienenfleißig agierende Komponist und Pianist An-dreas Staffel zu größeren Ehren.

Staffel brachte zusammen mit etwa zehn Sinfonikern zwei Teile aus seinem groß angelegten Zyklus „Chairos” für zwei Tänzer, Sänger, Video und Ensemble zur Uraufführung.

Natürlich „nur” in konzertantem Rahmen. Wesentliche Bestandteile des dem Gott der subjektiven Zeit gewidmeten Zyklus bilden zwei Nachtmusiken, von denen die erste jetzt zu hören war, „Just another nightmusic”: eine schwerelose Klangstudie mit dem Obertonspektrum des Tons „e” als Materialbasis.

Die Musiker zerstreuten sich räumlich, nahmen die Formation des Sternbilds der Leier an und entfalteten einen schemenhaft geheimnisvollen Klangschleier mit individuellem Kolorit. Handfester ging es im zweiten Uraufführungs-Stück zu, „Soleil et chair” nach einem Gedicht von Rimbaud über einen Tanz des nackten Pan und seine Verführungskünste.

Formal in ihrer Dreiteiligkeit recht traditionell angelegt, erfasst die Komposition in schillernder Vielfalt verschiedenste Bewegungsgrade vom Stillstand bis zu bacchantischem Übermut. Die Aachener Musiker setzten sich vorbildlich für die neuen Werke ein.

Den Novitäten gingen zwei moderne Raritäten voraus, denen der Geiger Takashi Bernhöft markantes Profil verlieh. Zunächst widmete er sich den „Perspectives” des Japaners Toshi Ichiyanahi. Ein Solo-Stück, das dem Solisten eine Menge an spieltechnischer Raffinesse und Musikalität abverlangt.

Von einer ungewöhnlich „unkatholischen” Seite zeigt sich Olivier Messiaen in den spielfreudigen „Thème et variations” für Violine und Klavier, denen die Pianistin Tomoko Yoneyama ebenso starke Akzente verlieh wie Andreas Staffel nach der Pause am Klavier des originell besetzten Sextetts für Violine, zwei Violen, Violoncello, Kontrabass und Klavier des 15-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy.

Ein erstaunlich reifes Werk mit einem überdimensional geratenen Kopfsatz, der bei den Aachener Musikern jedoch so gut aufgehoben war, dass sich keine spürbaren Längen einstellten.

Viel Beifall gab es für ein außergewöhnlich interessantes Kammerkonzert, das heute um 20 Uhr wiederholt wird. Karten unter 0241/5101192.