Aachen: Gefeierte Premiere von „Winterrose“ am Grenzlandtheater

Aachen : Gefeierte Premiere von „Winterrose“ am Grenzlandtheater

Er möchte lesen. Sie erzählt ohne Unterlass. Aufgeregt berichtet sie ihm von ihren Treffen mit den Männern, die sie per Zeitungsannonce kontaktiert hat. Er verzieht keine Miene und versteckt sich hinter seiner Zeitung. „Finden Sie nicht, dass man hier seine Ruhe hat?“, fragt sie schließlich mit verklärtem Blick, woraufhin er gequält das Gesicht verzieht.

Das Publikum im Grenzlandtheater hat seine Freude an den Begegnungen dieser so unterschiedlichen Menschen im Park. „Köstlich“, kommt es wiederholt aus dem Publikum. „Und die Musik erst!“. Immer wieder ergänzen alte Schlager die Szenen und bringen die Zuschauer zum Schmunzeln.

Das Grenzlandtheater hat unter der Leitung von Uwe Brandt mit seiner jüngsten Produktion „Die Winterrose“ offensichtlich ins Schwarze getroffen. René Toussaint als Anton und Verena Wengler als Elisabeth überzeugten bei der Premiere von der ersten Minute an. Gabriel Spagna brachte als Gärtner eine gewisse Bodenständigkeit ins Spiel: „Nutzt ja nichts. Muss ja weitergehen“, ist der Spruch, mit dem er eigentlich jede Situation rettet.

Wie ist es nun aber mit der Liebe? Das ist die Frage, um die alles kreißt. Gelingt es Elisabeth, ihren Traummann zu finden? Sie ist verwitwet und nicht mehr die Jüngste. Aber sie gibt nicht auf. Ein ums andere Mal verabredet sie sich mit Kandidaten, die sie per Zeitungsannonce kontaktiert hat. „Ihr Männerverschleiß ist beachtlich“, moniert Rentner Anton, der zum unfreiwilligen Zeugen ihrer Bemühungen wird.

Er selbst will eigentlich nur in Ruhe Dantes „Göttliche Komödie“ lesen. Deswegen kommt er in den Park auf „seine“ Bank. Aber genau diese Bank ist Elisabeths Beobachtungsposten: Bevor sie die Männer aus den Zeitungsannoncen im Café Kindermann trifft, schaut sie sich ihre Verabredungen aus der Ferne an — und liest Anton deren Briefe vor. Im Anschluss berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Von Woche zu Woche, von Monat zu Monat kommen sich Elisabeth und Anton dabei unmerklich näher. Er bleibt zunächst reserviert und verzieht den Mund auf ganz unnachahmliche Weise als Reaktion auf Elisabeths Geplapper. Und als sie dann einmal anfangen zu streiten, erteilt Horst, der Gärtner, ihnen Redeverbot: „Die Leute denken ja, Sie sind verheiratet.“

Eines Tages, nachdem sie sich länger nicht mehr gesehen haben, kommt Elisabeth und sagt: „Ich möchte mich verabschieden, ich bin auf Gold gestoßen.“ „Ein Zahnarzt?“, fragt er lakonisch.

Die Frage nach der Liebe in der zweiten Lebenshälfte bleibt bestehen. Kann man sie überhaupt planen und über eine Zeitungsannonce finden? Es schadet nicht, in jedem Moment wachsam zu sein, um während der verzweifelten Suche das eigentliche Glück nicht zu übersehen: Das zeigt die „Winterrose“ auf denkbar amüsante Weise.

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