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Aachen: Ganz schön spritzig, dieses Wasser-Werk

Aachen : Ganz schön spritzig, dieses Wasser-Werk

Samir Akikas „Didjelli” ist sinnenfrohes Tanztheater voller Einfälle und Reinfälle. Reinfälle ins Wasser der Aachener Westhalle, versteht sich. Das Stück selbst ist in höchstem Maß gelungen.

Wenn die kleinen Fische von Akikas Tanztruppe „Les petits poissons” mit den fliegenden Fischen des Aachener Turmspringclubs „SV Neptun” zusammenarbeiten, kommt eine putzmuntere Performance dabei heraus: sehr gekonnt, sehr witzig und vor allem sehr nass.

Alle „Wasserwege” führten am Wo- chenende zur Schwimmhalle West: Drei Mal gastierte Akikas Truppe vom Düsseldorfer Tanzhaus NRW auf Einladung des Ludwig Forums in dem Hallenbad und bot einen Höhepunkt der Aachener Kunst- und Designschau „Wasserwege”.

Es geht um Frauen und um die Liebe
Der vertraute Chlordunst empfängt die Zuschauer am Beckenrand, der für Akikas Akteure zur Bühne wird. Die begeben sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Abflug ins Traumland. Eine Rhapsodie in Nass. Es geht - wie so häufig bei Akika - um Frauen. Und um die Liebe.

Wie kommt Mann an die Mädels ran? Warum sind sie so schnell wieder verschwunden, wenn man sie gerade mit einem Balztanz umgarnt hat? Und warum ist am Ende eh alles für die Katz?

Der Protagonist des Stücks reagiert auf seine Weise: Er wartet auf den erlösenden Anruf, raucht so viel wie in einem Film von Aki Kaurismäki und bewirbt sich sogar im billigen Animationsprogramm des Ferienclubs „Didjelli” um den Titel „Bademeister des Jahres”, um seine Virginia zu erobern oder zu vergessen.

Das alles bringen die Tänzer und Turmspringer mit viel Präzision, Komik und übermütiger Lust an Albernheiten auf die Fliesen. Das Wasserbecken, die Duschen, die Sprungtürme gehören zur Bühne. Eine Videoinstallation kommentiert das Spiel.

Die Bassdrum der hervorragenden Musik von Alexandru Catona treibt die Handlung vorwärts. Man sitzt in einem Kombinations-Theater: Jeder sieht etwas anderes, und doch hat man immer das Gefühl, das Eigentliche zu erfassen.

Die tänzerischen Leistungen neben, in und mit dem Wasser von Meike Bolz, Isabelle David sowie Alexandra und Natalia Torales beeindrucken dabei ebenso wie die Regie des Pina-Bausch-Schülers Samir Akika. Sein Tanztheater ist verspielt und gleichzeitig tiefgründig, ohne bedeutungsschwanger daherzukommen.

Eine schrille, Slapstick-artig getanzte Seehund-Sequenz folgt auf eine schöne, melancholische Ballade, zu der ein Mädchen ruhig seine Bahnen im Becken zieht.

Auch die Turmspringer kommen (zur besonderen Freude des Aachener Publikums) zum furiosen Finale des Wasser-Werks noch einmal zum Einsatz. Am Ende gibt es langen Beifall für eine äußerst kurzweilige Vorstellung.